Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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nende sei, die erst dann ihre Meinung sage und ihre Ansicht vertrete,wenn sie das Erarbeitete auch verarbeitet habe. Nach diesem Grundsatzhat Marie bis zum letzten Tag ihres Lebens gehandelt, und selbst inder Zeit, als sie mitten im öffentlichen Leben stand und mit der Ma-terie ihres politischen Berufs und ihrer Aufgabe restlos vertraut war,legte sie immer diesen strengen Maßstab an sich selbst an und sagteoder schrieb nichts, bevor sie sich nicht längere Zeit intensiv da-mit beschäftigt hatte.

In dieser Zeit ihrer ersten politischen Regsamkeit traf die junge Mariemit einem Menschen zusammen, der nicht nur einen grossen Eindruck aufsie machte, sondern sie auch so entscheidend beeinflusste, dass sienoch lange Zeit in Verbindung mit ihm blieb, auch dann, als sie selbstschon eine politische Rolle spielte. Es war der sozialdemokratischeAbgeordnete Wilhelm Pätzel, der des öfteren seinen Landsberger Wahl-kreis besuchte. Ma rie hatte schon von ihm gehört und suchte und fandauch die Gelegenheit zu einem ersten Gespräch mit ihm. Pätzel spürte,dass Marie eine junge Frau war, die schon jetzt ohne grosse Vorbil-dung und Schulung- a us eigenem Interesse und aus eigener Arbeit zuauden sozialen Problemen der Zeit Stellung nehmen und selbst erarbeiteteGedanken dazu sagen konnte. Er bestärkte sie in ihrer Absicht, auf die-sem leg weiterzugehen.

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Wilhelm Pätzel konnte Marie diesen Rat geben, weil er nicht wusste,woher sie kam und was sie machte. Er wusste nicht, dass sich Marieunter grossen Opfern die wenige Zeit stehlen musste, um an solchenGesprächen teilzunehmen und un aus dem Schrifttum dieser Zeit zu ler-zichnen. Marie konnte ja nicht so xxxЯiaкxxx damit beschäftigen, wie siees am liebsten gewollt hätte, denn sie stand ja im Berufsleben, mussteGeld verdienen, denn auf Unterstützung von zu Hause konnte sie jetztnicht mehr rechnen. In Ge enteil, ihr Vater war 60 Jahre alt und ver-diente als Zimmergeselle reichlich wenig, sodass Marie und Otto zumUnterhalt beitragen mussten.

Maries Ersparnisse aus der Arbeit in der Landes- Irrenanstalt waren fürdie Ausbildung als Weiß- und Kleidernäherin verbraucht worden, und ihrnochKundenkreis war nicht so gross, dass es für die Eltern, für die kleineSchwester Elisabeth und für sie selbst gereicht hätte. Vielleicht hät-te sie mehr verdienen können, wenn sie ununterbrochen an der Arbeitgeblieben wäre. Aber die Arbeit kam nicht von selbst, sondern sie muss-te sich danach umsehen, musste Kundinnen aufsuchen und sich über derenWünsche unterhalten, dann wieder zum Anprobieren in die Häuser gehen,wodurch sehr viel Arbeitszeit verlorenging. Als Marie bei einem Kun-