Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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etwas ängstlich, wie es uns schien. Zwei Polizisten sassen an Ne-bentisch, um die' staatsgefährliche Versammlung zu überwachen. Aneinem der nächsten Tage gingen wir in die Wohnung von Frau Bäumler,um uns vorzustellen, und von unserem Wunsch zu sprechen, uns an dersozialdemokratischen Frauenarbeit zu beteiligen. Sie war freundlichund schien erfreut über den Zuwachs, aber auch zurückhaltend undein wenig misstrauisch. Der Frauen- und Mädchen- Bildungsverein seials Mittel gedacht, die breiteren Schichten der Frauen zu erfassen,sie für die sozialistische Frauenbewegung zu interessieren und sieunter der durch Gesetz gebotenen Vorsicht allgemein und auch poli-tisch weiterzubilden. Frau Bäumler wies uns darauf hin, dass dasVereinsgesetz in Preussen- ebenso wie z. B. in Schsen, Braun­ schweig und Thüringen es den Frauen verbot, sich politisch zu or-ganisieren. In süddeutschen Ländern, zum Beispiel in Baden, sei manetwas toleranter, Sie erzählte uns manches Vorkommnis aus ihren Er-fahrungen, wie man bemüht sein müsse, die Versammlungsthemen mög-lichst allgemein und mit einem kulturellen Akzent zu umschreiben,wobei es dann von der Geschicklichkeit der Redner abhinge, den zu-hörenden Frauen doch das zu sagen, worauf es xxkxxxx ankomme. Manbekäme auch Übung darin, in Gegenwart der überwachenden Polizeibe-amten vieles zu sagen, was der Gesetzgeber verhindern wolle. Siekenne aber auch schon die einzelnen Polizeibeamten. Manche eiendumm und schläfrig und verstünden nichts von der Sache, andereseien wohl wach, aber bewusst tolerant, und vor manchen müsse mansich hüten, weil sie schlau seien und wenig wohlwollend, und ausser-dem immer bereit, den proletarischen Vereinigungen etwas am Zeug zuflicken, während man den bürgerlichen Frauenbewegung viel mehrSpielraum und Entfaltungsmöglichkeit lasse, ja, sie sogar in vielerHinsicht fördere. Diese Tatsache ist mir sehr viel später vonFrauen aus dem bürgerlichen Lager mündlich und schriftlich bestätigtworden.

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Emma Ihrer führt in ihrer schon 1898 erschienenen Broschüre' DieArbeiterin und der Klassenkampf' eine ganze Beweis- Kette an, wie dieVereinigungen und Veranstaltungen der bürgerlichen Frauenbewegungvon der Hohen Obrigkeit nicht nur geschont, sondern offenkundigunterstützt wurden, während von den siebziger Jahren des 19. Jahr-hunderts an bis zu seinem Ende jede Regung zu einer organisiertenproletarischen Frauenbewegung mit brutalen Mitteln und gerichtli-chen Strafen unterdrückt wurdeX.

Frau Bäumler machte uns noch darauf aufmerksam, dass wir trotz al-ler Verbote die Möglichkeit hätten, uns politisch zu organisieren.