Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Weder Ma rie noch Elisabeth hatten jemals daran gedacht, ihre Ar-beit für die Sozialdemokratische Partei und für die Frauen als Be-ruf auszuüben. Wohl als" Berufung" für die Freizeit, aber doch so,dass die Sorge für den Lebensunterhalt und für die Kinder das Wich-tigste blieb, so weit sich eine politische N ebenarbeit eben verant-worten liess.

Eines Tages bekam Marie Juchacz von den Vorstandsmitglied der Par-tei Louise Zietz eine Einladung, die in knapper Form aufforderte, inBezirk Obere Rheinprovinz in einer Reihe von Versammlungen zu spre-ehen. Widerspruch wäre zwecklos geweren, denn Tag der Abreise undTreffpunkt- Termine waren bereits festgelegt. Nach kurzer Beratungmit ihrer Schwester fuhr Marie ab.

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" In Köln angekommen, erhielt ich einen sauber ausgeführten Plan fürdie nächsten Wochen. Ich wusste, wo ich an einen tiek Tag zusprechen hatte, erfuhr das Versammlungslokal, den Namen und die ge-naue Adresse des Vorsitzenden oder Vertrauensmannes der Partei amOrt, das Hotel, in dem ich absteigen kanske und sogar das Lokal, indem ich gut und preiswert zu Mittag essen konnte. So fürsorglich warman eigentlich noch niemals und nirgends mit mir ungegangen. Es gabnoch mün dliche Auskünfte über landschaftliche Schönheiten, kultu-relle Eigenarten, Sehenswürdigkeiten, und spezielle Informationenüber die Verschiedenheiten der Bewegung je nach wirtschaftlicher undsozialer Struktur der Orte, in die ich gehen würde." xx

Der Sekretär der Partei in Köln brachte Marie noch zur Redaktion derSozialdemokratischen Zeitung, wo sie den Chefredakteur Jean Meerfeld

kennenlernte.

" Damals sah ich ihn zum ersten Mal. Später hat uns Schwestern einewertvolle Freundschaft mit ihm und seiner Frau Else verbunden, die kxtrotz späterer räumlicher Trennung niemals aufgehört hat."

Auf der" Rheinischen Zeitung" lernte Marie auch noch die RedakteureDr.Wilhelm Sollmann und Georg Beier kennen. Sollmann sollte dreissigJahre später in der nordamerikanischen Emigration zu denen gehören,die Marie Juchacz dieyWege in den USA ebneten.

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Die Wochen im Rheinland, so anstrengend sie auch waren, vergingenschneller, als es Marie lieb war. Tagsüber sah sie sich die Gegendan, in der sie sich aufhielt, besuchte Sehenswürdigkeiten, kam mitder Bevölkerung ins Gespräch, unterhielt sich mit den Vertrauensleu-ten der Partei über die Erwerbsverhältnisse der Bevölkerung, überdie soziale Zusammensetzung, über eventuell vorhandene aktive Frau-