Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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einige Adressbücher

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sie waren zeitlich weit überholt-, nach denenBroschüren und Flugschriften mit der Post versandt wurden. Jeder Sen-dung lag ein Zettel bei mit der Aufforderung, uns zu schreiben. Undtatsächlich wurden auf diese Weise neue Stützpunkte gewonnen, auchwenn es eine mühselige Arbeit war.

Was mir am Rande- bei dieser Aktion besonders auffiel, war dieTatsache, dass in vielen Ortschaften der Eifel höchstens drei odervier verschiedene Familiennamen existierten. Wenn uns ein Name nureinmal in einem Ort begegnete, wussten wir sofort, dass es sich nurum einen jüdischen Ortseinwohner handeln konnte. Die Schlussfolgerungwart ganz eindeutig die, dass selten einmal eine Vermischung mit demNachbardorf vorkam. In der Regel verheirateten die Familien einesOrtes ihre Kinder untereinander. Der bald einsetzende Krieg verhin-derte mich, dieses Phänomen an der Bevölkerung näher zu studieren."

Trotz der anstrengenden, in aller Frühe beginnenden und bis in diespäten Nachtstunden dauernden Arbeit und trotz der strapazierendenVersammlungsreisen fand Marie Juchacz immer noch wenige Minuten, umihrer Schwester Elisabeth nach Berlin zu schreiben. Mit gleicher Re-gelmässigkeit und Ausführlichkeit trafen Lisbeths Briefe in Köln ein.Die örtliche Trennung, die nun schon mehrere Monate andauerte, warfür beide Frauen eine unausgesprochene Belastung. Kurz vor Beginnder grossen Ferien teilte Lisbeth ihrer Schwester mit, dass sie sichmit ihrem Mann Christianida dahingehend verständigt habe, dasseine Trennung vorerst vielleicht das Beste sei, dass sie Lotte undPaul von der Schule abgemeldet, und ihre Berliner Sachen bereits ver-packt und expediert habe, und dass sie in einigen Tagen mit den dreiKindern in Köln eintreffen würde.

Marie, die bis dahin in einem möblierten Zimmer gewohnt hatte, machtesich nach Erhalt dieses Briefes sofort auf die Suche nach einer Woh-nung. Jean Meerfeld hatte ihr den Tip gegeben, sich im Vorort Köln-Klettenberg umzusehen.

Marie hatte Glück. In der Stenzelbergstrasse 1 fand sie im Garten-haus in der ersten Etage das, was sie suchte, mit genügend Platz fürsich und ihre Schwester, und vor allem für die Kinder.

" So richteten wir wieder unseren gemeinsamen Haushalt ein, konntenzusammen arbeiten, und Lotte und Paul lebten sich in ihrer neuenSchule sehr leicht ein. Unser fünfjähriger Fritz fand xxxx schnellgleichaltrige Spielgefährten und sprach Berliner Dialekt mit kölni-

schem Einschlag."