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Manuskript "Leben und Arbeit"
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117-156-

die deutschen Truppen unter Verletzung der belgischen Neutralität indas kleine Land ein, nachdem erst am Tag zuvor die Kriegserklärung ge-gen Frankreich herausgegeben worden war. Vier Wochen später tobte dieSchlacht an der Marne.- Emil Kirschmann wurde eingezogen, aber nichtnur dieser wertvolle und kluge Berater musste die beiden Schwesternalleine lassen.

" Mein Kollege Zörgiebel war Soldat, ebenso einige der Vorstandsmitglie-der der Sozialdemokratischen Partei unseres Bezirks, und dabei war un-ser Vorstand nur sehr klein.- Der Tag verlangte sein Recht, und fürdie politische Arbeit, so wie wir sie bisher geleistet hatten, war jetzkeine Möglichkeit mehr gegeben. Der Kölner Stadtverband der Frauen-vereine' rief alle Frauen auf, sich für die jetzt anfallenden Aufgabengemeinsam zur Verfügung zu stellen. Bisher war es nicht üblich gewesen,dass sich die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung zu ei-ner Zusammenarbeit zusammenfanden. Während wir Sozialdemokraten dieBürgerlichen gewähren liessen, wurden wir xaxxx von diesen Organisatio-nen nicht nur gemieden, sondern mit nicht immer fairen Mitteln bekämpftAber war hier nicht eine Situation gegeben, die in sich selber zwin-gend war?"

Marie Juchacz musste eine schnelle und richtige Entscheidung tref-fen. Mit Elisabeth war sie sich dxxxx über das, was zu tun war,einig, nämlich mit den bürgerlichen Verbänden auf jeden Fall zusam-menzuarbeiten. Wie würden die sozialdemokratischen Frauen darüberdenken? Und die wenigen Parteifreunde, die noch in Köln und derweiteren Umgebung sassen?

" So weit ich ihrer habhaft werden konnte, waren sie für Mitmachen.Auch die Freunde auf der Redaktion redeten ung zu. So meldete ichmich telefonisch beim Kölner Verband der Frauenvereine an."

Als Marie und Elisabeth zur verabredeten Zeit am Treffpunkt erschie-nen, mussten sie f ststellen, dass ihnen keine der anwesenden Frauenbekannt war. Die Begrüssung war reichlich förmlich, man stand sichfrend gegenüber. Aus den ersten zwanglosen Unterhaltungen konnten dieSchwestern Juchacz- Roehl entnehmen, dass es sich um Vertreterinnen vonkatholischen, evangelischen, liberalen und sozialen Vereinigungen man-nigfacher Art handelte.

" Es waren zum grossen Teil recht' exklusive' Damen der Kölner Gesell-schaft, die Frau des Oberbürgermeisters Wallraff war ebenfalls dabei.Nach der nicht nur sichtbaren, sondern fast peinlichen Neugier, mit derman uns zuerst behandelte, spürte ich sehr bald bei einigen die grösse-re Vorurteilslosigkeit heraus.- So, nun waren wir zusammen eine' Na-