File 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

119HB0-

Bezug auf Verteilung der Waren an die Kunden und Abrechnung durchausnicht vorbildlich. Wir von der Arbeiterbewegung erlebten eine Genugtuungals Oberbürgermeister Wallraff zugeben musste, dass die beiden Konsumge-nossenschaften( ausser der freigewerkschaftlichen gab es noch einechristliche) gewissenhafter bei Verteilung und Abrechnung waren als derKleinhandel, sodass es mit diesen beiden Organisationen keine Schererei-en und auch keine Defizite gab. Die Folge war, dass auch die Damen derGesellschaft', vorand die der' Nationalen Frauengemeinschaft', plötzlichMitglieder der Konsumgenossenschaften wurden. Die Köchinnen und Haus-mädchen der Damen waren damit nicht einverstanden, denn sie bezogen beimKleinhandel recht hohe Rabatte."

G

Marie tat als Mitglied der Nationalen Frauengemeinschaft und des Er-nährungsausschusses- alles, was an Arbeit anfiel, aber trotz mancherErfolge empfand sie den ganzen Betrieb als reichlich unproduktiv. Aus-serdem wurde vieles in einer Form gehandhabt, die ihrem demokratischenGefühl widersprach. Als sie eine Aktion xarkxxkikakx für Kindergärtenund Kleinkinder vorbereitete, die auch mit Aufrufen und Plakatierungverbunden war, stellte sie fest, dass diese Aktion" unter dem Protek co-rat der Frau Oberbürgermeister" anlaufen sollte, die lediglich aus" ge-sellschaftlichen" Gründen in dieser Form in Erscheinung treten wollte.Marie protestierte gegen diesen Unfug, weil sie der Sache unzuträglichsei.

" Das waren aber Dinge, die sich mit der Zeit einrenkten. Auch hier be-wahrheitete es sich, dass man wenn ein wenig Wille vorhanden ist- inder Arbeit gegenseitig voneinander lernt.

Was ich allerdings sehr peinlich empfand, war die Art, in der aanchemeiner bürgerlichen Kolleginnen in der ersten Zeit unserer Zusammenar-beit von den Kriegerfrauen' sprachen, mit einem Tonfall, als wenn daseine ganz besondere Senicht unkundiger und untenstehender Frauen dritterOrdnung wäre, denen man- von hohen Kothurn herunter- zwangsläufighelfen müsse. Es hatte zwar keinen Zweck, sich dauernd darüber aufzure-gen, aber ich nahm jede Gelegenheit wahr, um die Dinge sprachlich undgesinnungsmässig zu korrigieren. Es hat mit der Zeit sichtbar geholfen.Es gab auch andere Enttäuschungen. Ich gebe am besten wieder ein Beistelspiel: in der sozialdemokratischen Frauengruppe regte ich an, der Le-derknappheit und Schuhlosigkeit der Frauen und Kinder durch Selbstfabri-kation für den eigenen Bedarf zu begegnen. Innerhalb kürzester Zeit wur-de ein aus Stoff und Ersatzmaterial angefertigtes Musterexemplar be-schafft. Jetzt brauchten wir von der Stadt einen Raum, etwas Handwerks-