Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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zeug und- für den Anfang

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einen Lehrmeister. Die interessierten Frau-en, es hatten sich schon nach Bekanntwerden der idee Hunderte gemeldet,wol ten dort unter Aufsicht und unter Anlernung aus verfügbaren Abfall-und Ersatzstoffen die ersten Schuhe für ihre Familien herstellen, umihre Kenntnisse dann áh andere Frauen weiterzugeben. Den Schuhmacher-meistern entstand dadurch keine Aonkurrenz. Die Frauen, die nur Schuhegegen Bezugschein kaufen konnten, aber meist keine bekamen, waren fürdie Maßarbeit der innungsmeister sowieso nicht interessant. Das Besoh-len wollten sie den kleinen Meistern nicht fortnehmen, sie waren froh,wenn sie überhaupt noch von ihnen bedient werden konnten, denn das Le-der wurde immer knapper. Auch der Fabrikation entstand keine Konkurrenz,sie hatte kein Leder und ausserdem wurden Bezugscheine nur auf Antragausgegeben bzw. meistens versagt, denn die Fabrikation arbeitete fürdie Soldaten. Mit unserer Idee wäre auch den Handwerkern geholfenworden, denn das Schuhwerk, das gelegentlich für die Zivilbevölkerungfreigegeben wurde, war so schlecht, dass es nur kurze Zeit aushielt.-Der beigeordnete Bürgermeister, in dessen Ressort unser Antrag fiel,machte uns unseren Plan kaputt, indem er die Schuhmacherinnung zur Be-ratung heranzog, die das Ganze für unmöglich und undurchführbar hielt.Dabei hatten die Innungsvertreter überhaupt nicht begriffen, worum eseigentlich ging. Hätten wir doch auf jede städtische Unterstützung undHilfe verzichtet und irgendwo in einem Raum einfach mit unserer Arbeitangefangen, dann hätte die Innung vor dem fait accompli gestanden undausserdem den Vorteil für die Arbeit ihrer eigenen Mitglieder eingese-hen. Jetzt liess sich natürlich nichts mehr machen.

Dafür gelang ein anderer Versuch auf anderem Gebiet: wir hatten die Ab-sicht, Frauen, die bisher noch keine Heimarbeit machten, Gelegenheit zumNebenverdienst neben ihrer Unterstützung zu geben. Zu Anfang- in denwirren Tagen hatte man schon alte Kleider gesammelt. Man behauptete,dass sie chemisch gereinigt wurden, aber die Fliegen waren in den heis-sen Tagen ganz wild danach. Aber aus diesem Haufen unmöglichen Zeugs,das wir säubern liessen und, so gut es ging, verarbeiteten, antstanddie Idee, die Soldaten mit Hemden und Unterhosen, die doch in Fülle ge-braucht würden, zu versorgen. Eine Verbindung mit dem Versorgungsant inKoblenz brachte tatsächlich einen Auftrag herein. Man sagt, die er-sten Pflaumen seien madig. Das Resultat dieser ersten Arbeit war be-stimmt nicht tadellos. Doch der Bedarf war gross, und man war nachsichtétig. Diese Heimarbeitszentrale entwickelte sich zu einer erstaunlichenGrösse: bald waren grössere Tische da, eine Zuschneidemaschine folgte,und neben den ehrenamtlichen Kräften, die bis zuletzt in der Verwaltung