Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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In Köln wur de die Übersiedelung von Marie nach Berlin in allenEinzelheiten besprochen, wobei sich die beiden Frauen daran erin-nerten, dass Marie immer der Wegbereiter war, während Lisbeth folgte. So war es auf dem Weg Landsberg - Berlin , so war es auf dem WegBerlin - Köln , und so würde es wahrscheinlich demnächst auch wiedersein,sein. Aber diesmal sollte Elisabeth länger in Köln kkkkaк, alssie selbst dachte. Die Kinder sollten auf alle Fälle in Köln blei-ben, eine Umschulung mitten im Krieg war mit vielen Schwierigkei-ten verbunden. Marie machte sich ernste Gedanken darüber, denn Lis-beth hatte jetzt die alleinige Verantwortung für die drei Kinder,un d ausserdem ihre Arbeit, während sie, Marie, ohne jede Belastungfamiliärer Art in Berlin an die Arbeit gehen konnte. Aber auchdann, wenn Elisabeth selbst nicht von dem überzeugt war, was sielediglich zur Verkleinerung effektiver Schwierigkeiten sagte, konn-te sie Marie beruhigen, weil Lotte doch schon erwachsen und einegute Hilfe sei," und mit Paul und Fritz werden wir Frauen schonfertig!"

Marie war nicht ganz überzeugt davon. Ausserdem kannte sie ihreSchwester nur zu gut, um nicht zu wissen, wie Lisbeth es meinte.Aber sie machte dieses kleine Selbstbetrug- Spiel mit, weil esschliesslich keine andere und bessere Lösung gab. Trotzdem schobsie ihre Abreise nach Berlin noch hinaus und erlebte mit ihrerFamilie den ersten grossen Kohlrübenwinters 1916/17, Morgens zumAnfang desFrühstück gab es eine Scheibe Kohlrübenbrot mit Kohlrübenmarmelade,dazu einen Schlück Kohlrübenkaffee. Mittags zogen Paul und Fritzmit einem Eimer los, um das Essen von der Massenspeisung zu holen.Diese Organisation war gerade erst angelaufen, und es gab nochnicht viele Verteilungsstellen. Zuständig für die Klettenbergstras-se war der Barbarossaplatz, am Ende der Luxemburgerstrasse. Mitder Strassenbahn brauchte man eine Viertelstunde, zu Fuß waren eshin und zurück gute zwei Stunden. Die Jungens wollten das Strassen-bahngeld sparen und marschierten. Unterwegs organisierten sie allemöglichen Dinge zusammen. So vertauschten sie bei einigen Soldatenur-laubern Lederkoppel gegen Schuhfett, weil Fritz der Meinung war, ausdem Stiefalfett einen Brotaufstrich schmelzen zu können, Lisbeth undMarie mussten die Jungens davon überzeugen, dass der Tausch schlechtwar, denn aus den Lederkoppeln hätte man Flecken für Schuhe heraus-schneiden können.- Wenige Tage später lagen dann" zufällig" neue Kop-pel in der Küche, und niemand fragte nach ihrer Herkunft.