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körperlich und geistig auch sehr gut, besser, als wir bei seiner zar-ten Konstitution und bei seinen vielen Krankheiten anneamen konnten.Und mein Fritz ist auch gross geworden, und lustig und ruppig ist er,immer durcheinander. Eure Mädels könnten auch einmal schreiben, viel-leicht besinnen sie sich noch auf ihre Tante Lisbeth, wo sie doch sooft zu uns nach Neukölln in die Warthestrasse zu Besuch kamen. Auchmein grosser Bruder darf ruhig einmal die Feder meinetwegen ins Tin-tenfass tauchen. Von unseren Kindern soll ich grüssen, sie besinnensich allerdings nicht mehr auf alles, besonders Fritz als Jüngster."Elisabeth war in dieser Zeit, in der sich das Kriegsende ankündigte,der treibende Motor, der trotz der mehr und mehr wachsenden Arbeit DieZeit fand, die familiären Bande festzuhalten:
" Wer weiss, wie das Ende sein wird. Die Oberste Heeresleitung hat zwarvon Auswärtigen Amt ein sofortiges Friedensangebot an die Entente ver-langt, Hindenburg und Ludendorff haben schon vor einigen Wochen beingrossen Kronrat den Krieg für verloren gegeben, und die Oberste Heeres-leitung spricht sich auf einmal für die Einführung des parlamentarischenSystems aus. Gröber, Erzberger , Haussmann und Scheidemann sind seitwenigen Tagen Staatssekretäre ohne Portefeuille. Was sollen sie dennauf einmal ausrichten? Man erzählt hier in Köln , dass der Kaiser ab-danken wird. Irgend etwas muss sehr bald geschehen, denn wir spürenhier im Rheinland schon längst das Ende. Wie sollen wir unsere Kindersatt bekommen? Fritz ist duch die Wassersuppen so blasenkrank, dassich mir grosse Sorge mache. Lotte und Paul sind ebenfalls unterernährt,aber nicht krank. Wenn ich die notdürftig gekleideten verhungerten Kin-der auf der Strasse sehe, zieht es mir jedesmal das Herz zusammen."Das war der letzte Brief, den Marie von ihrer Schwester aus Köln bekam.Dann überstürzten sich die Ereignisse. Die Dienstverweigerung von Ma-trosen auf dem Linienschiff" Markgraf " am 28. Oktober war der Auftakt.Was sich dann ereignete, ist bekannt.[ Revolution- Gründung der JuAuAm 9. November 1918 um die Mittagszeit hatten sich die mehrheitssozia-Arbesterwohlfahrt.listischen Abgeordneten noch einmal mit den Mitgliedern des Parteiver-standes zusammengesetzt. Un 1 Uhr hatte der Reichskanzler, Prinz Maxvon Badeh, die Abdankung des Kaisers bekannt gegeben. An diesem Tageruhte in Berlin die Arbeit, die Garderegimenter waren zur sozialisti schen Bewegung übergetreten, und ein Arbeiter- und Soldatenrat hattesich gebildet, der mit den sozialistischen Parteien über die Bildungeiner neuen Regierung im Reiche und in Preussen verhandelte. Um 3Uhr übernahm Ebert das Reichskanzleramt. Kurz vorher hatte sich Marie Juchacz von ihm verabschiedet, um wie sie sagte- wie sie sagte ihre Stellung in
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