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Beide tranen
sammen. Ihre drei Kinder gehörten ihnen gemeinsam. e waren sichäusserlich ähnlich, aber verschieden in ihrem Wesen. Marie war ver-schlossen und herb, voll strenger Würde. Elisabeth war gemütlich, weich,freundlich, fröhlich, den Annehmlichkeiten des Lebens zugetan. Sieschrieb gewandt und hübsch ohne viel Schwierigkeiten. Als Rednerin ge-fiel uns Marie besser. Sie war imposant durch ihre Schwere, währendElisabeth mir oft zu leicht und weiblich erschien. Elisabeth hatteeine leichte Auffassungsgabe und arbeitete sich schnell in die Proble-me der Anstalts fürsorge ein. Der Immenhof als Fürsorgeerzienungsanstaltder AW war ihre Idee, und sie hat unendlich viel von ihrer Arbeitszeitauf ihn verwandt. Sie hatte künstlerischen Geschmack, das sah man demHaus an.
In einem aber waren sich die Schwestern ähnlich: sie waren beide voll-kommene ladies'. Ich verwende hier ausdrücklich den englischen Aus-druck, denn er vereinigt Gesinnung und äussere Form. Ich habe nie voneiner der beiden ein unvornehmes Wort gehört, eine unvornehme Gestegesehen oder eine intrigue erlebt. Marie konnte abweisend sein, aberlaunisch war sie nie, und nie unsachlich. Elisabeth war gelöster, aberin Wohlfahrtsausschuss der preussischen Landtagsfraktion übte auch sieihr Amt mit Würde aus und ordnete mit heiterer Liebenswürdigkeit dieverschiedenen Meinungen der Sache un ter. Als sie tot war, wurde esuns viel schwieriger, einheitliche Meinungen zu erzielen und die natür-lichen Eifersüchteleien aus zuräumen.
Bei aller Verschlossenheit war Marie eine angenehme Vorsitzende der AW.sie liess i ren Mitarbeitern freie Hand, verlangte aber dennoch, ge-fragt zu werden. Und ich frug. Das war ich selbstverständlich ihrerstellung schuldig. Ich wusste ja auch, dass sie nie ohne guten Grund,den ich vielleicht nicht im voraus kennen konnte oder übersah,' nein'sagen würde. Sie war nicht weniger unternehmungslustig als ich selbst.Die Ausbildungsarbeit stiess in Gebiete vor, die sonst ausserhalb desWirkungsbereichs der Arbeiterbewegung lagen. Durch die Zeitschrift konn-te sie schnell und durch gute Fachleute ihre Meinung auf dem Gebiet derWohlfahrtspflege formulieren und der Öffentlichkeit darlegen und durchdie Schule die Verwaltung mit Menschen, die unmittelbar aus der Arbei-terschaft kamen, durchsetzen. Aber wenn ich das Gefühl hatte, dass ichder Öffentlichkeit oder auch unseren Schülern einmal ganz deutlich klarmachen müsse, was die Arbeiterbewegung auf einem bestimmten Gebiet derWohlfahrtspflege oder innerhalb der Schule mit gewissen Entscheidungenbezwecke, bat ich Marie um ihre Unterstützung. An der Zurückhaltungund dem Ernst, mit dem sie dann sprach, spürte man, wie schwer sie es