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fähige Organisation hinter ihnen stand.- Zwei grosse Themen wurdenauf dieser Tagung behandelt und diskutiert. Das eine konzentriertesich in dem Referat von Helene Simon:' Aufgaben und Ziele der neuzeit-lichen Wohlfahrtspflege', das andere wurde von Dr. Caspari, damalsnoch Bürgermeister in Brandenburg an der Havel , behandelt:' Die ge-setzlichen Grundlagen der Wohlfahrtspflege'. Es fehlte nicht an Wi-derspruch aus den Reihen der Hörer, von denen einige der Ansicht wa-ren, dass beide Redner das Gebiet der Wohlfahrtspflege zu weit abge-steckt hätten, aber das eine soll hier als grösstes Verdienst der er-sten grossen öffentlichen Tagung herausgestellt werden: sie hat vie-le, die der jungen Organisation skeptisch gegenüberstanden, zu An-hängern und Förderern der Bewegung gemacht. Sie hat manchen, die derausführenden Arbeit wohl sympathisch, aber doch etwas unsicher gegen-überstanden, die so sehr erwünschte Klarheit gebracht. Manche, die daglaubten, es handele sich hier nur um einen grossen Unterstützungsver-ein, ist erst das geistige Fundament und die Perspektive für die Ar-bit gegeben worden."
Anderthalb Janre später, an 30. und 31. Januar 1923, fand in Berlin im Reichstag eine vom Hauptausschuss einberufene' Fachkonferenz überdas Reichsjugendwohlfahrtsgesetz'statt.
" Es handelte sich dabei nicht um eine öffentliche Tagung, sondern umeine gründliche Aussprache Sachkundiger über das Gesetz selbst, überdie von Reich und Ländern zu erwartenden Ausführungsbestimmungen unddie von der Arbeiter- Wohlfahrt zu verbreitende Aufklärung und zu lei-stende Schulungsarbeit, um dem Gesetz mit unseren Kräften die grössteAuswirkungsmöglichkeit zu sichern. Trotz der Erschwerung der durch diepolitischen Ereignisse geschaffenen Lage waren 120 Teilnehmer, unterdenen sich auch viele Kommunalpolitiker befanden, aus dem ganzen Reichrschienen."
Die dritte Konferenz der Arbeiter- Wohlfahrt, die am 9. Dezember 1923in Köln stattfand, war zwar keine Reichskonferenz, umfasste aber dieBezirke des besetzten Gebiets. Von ausländischen Organisationen warendie amerikanischen Quaker, das Internationale Rote Kreuz , die Interna-tionale Kinderhilfe, die englische Militärmission und die ausländischeBresse vertreten. Kundgebungen hatten die danische, schwedische, hol-ländische und belgische Arbeiterschaft gesandt.
" Die Veranstaltung wurde, ohne dass die Veranstalter es im Grunde woll-ten, zu einer Kundgebung von erschütternder Gewalt. Vor den ausländi-schen Gästen entrollten die Sprecher rückhaltlos das deutsche Elend.Ihre Reden mündeten in dem Notschrei: Helft, wenn Ihr nicht wollt, daß