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Landsberg war in den letzten 15 Jahren um hundert Prozent gewachsen undhatte um die Jahrhundertwende 40.000 Einwohner. Die Netzfabrik wurdenicht stillgelegt, sondern erweiterte sogar ihren Betrieb. Eine Maschi-nenfabrik am Ort war vergrößert, eine Sackfabrik in eine Jutespinnereiverwandelt worden. Die letztere zog ausländische Arbeiter an, polnischeSchnitter, die in der Umgebung auf den Gütern gearbeitet hatten, auchItaliener und Böhmen . Die Arbeiterbevölkerung wuchs verhältnismäßig ammeisten in der Stadt. So bildete sich nach und nach in Landsberg der Bo-den für eine moderne Arbeiterbewegung. Gewerkschaften wurden nun auchfür andere Berufe gegründet.
Ein von der Wanderschaft zurückkehrender Stellmacher rief einige Kolle-gen und hefreundete Arbeiter zusammen und gründete mit ihnen einenLandsberger Ortsverein der sozialdemokratischen Partei. Da man von ihmals Ortsvereinsvorsitzenden der Partei vermutete, daß er die bestehendesoziale und staatliche Ordnung umstürzen wollte, konnte er keine Arbeitfinden. So gründete er mit Hilfe des väterlichen Erbes und den Erspar-nissen seiner Mutter ein Zigarrengeschäft. Er hatte nun mehr Zeit alsein Arbeiter, konnte lesen und lernen. Und außerdem gab es einen Platz,wo Flugblätter gelagert und Mitgliederlisten geführt werden konnten.
Bald darauf gründete ein aus Forst in der Lausitz zugereister Arbeitereinen Konsumverein. Durch ihn konnten die Arbeiter billiger einkaufenals in den Ladengeschäften. So dehnte sich die Arbeiterbewegung inLandsberg aus.
kraft
In ihr fühlte Otto sich wohl. Das war seine Welt. Allein war er nichts,nur in Solidarität mit der Masse bedeutete er etwas in Gesellschaft undStaat. In der bürgerlichen Welt konnte er sich kaum verständlich machen.Mit seinen Arbeitskollegen jedoch konnte er über seine Erfahrungen amBauplatz sprechen, über den Kurs, den die Arbeiterbewegung steuern müs-se, um die Arbeiterschaft von der Lohnsklaverei zu befreien und die Weltzu verbessern. An seinem Arbeitsplatz war Otto nichts als der Verkäuferseiner Arbeit. Nur nach ihr wertete ihn die bürgerliche Welt. In derPartei war er Mensch, dort zählte sein Verstand, sein Interesse an denArbeitsbedingungen und politischen Verhältnissen, seine Treue zur Sacheder Arbeiter, seine Fähigkeit, ihr zu dienen. In der Arbeiterbewegunggab es für ihn eine Entwicklung. Heute trug man Flugblätter aus, morgenwar man Schriftführer oder Kassierer. Gestern hatte man stumm dabei ge-sessen, heute berichtete man über den Mitgliederbestand und die einge-kommenen Gelder. Bald redete man auch über Politik." Wissen ist Macht",so hieß es. Wußte man etwas, konnte man helfen, die Bewegung aufzubauenoder bei Wahlen die Säumigen an die Urne zu bringen. Also mußte man auchlesen. Otto tat es. Er ging in Vorträge über Körperhygiene, naturwissen-schaftliche, wirtschaftliche und soziale Fragen, sowie über die Geschich