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gab es den Frauenleseabend in Schöneberg , der öffentlich war unddessen Besucher von dem Bestehen einer geheimen Frauenorganisationnicht unterrichtet waren.
Marie und Elisabeth wurden regelmäßige Besucher des Frauen-und Mädchenvereins von Schöneberg. Marie war unduldsam gegenüberRednern, die ihren Ansprüchen nicht genügten, sie war aber vielzu scheu und verschlossen, um aus ihrer Reserve herauszutreten undin der Diskussion zu sprechen, Einmal sprach ein Arzt über dasThema:" Wie fesselt die Frau ihren Mann an das Heim". SolcheThemen waren beliebt. Viele der müden und abgehärmten Frauen,die um ihre Ehe fürchteten, wußten doch, wie dit sich der Mannnach heiterer Gesellschaft sehnte, unbelastet von häuslichen Sorgen.Wie alle fortgeschrittenen und strebsamen Frauen ihrer Zeit wollteMarie nicht nur die politische Gleichberechtigung, sondern hal-digte dem etwas unklaren Begriff der Gleichberechtigung in derEhe. Die Frau sollte sich aus ihrer untergeordneten Stellung inder Familie befreien. Als Ideal galt die Ehe, die auf Kamerad-schaftlichkeit und gemeinsamen Ideen aufgebaut war. Dabei wurdeoft geflissentlich übersehen, das alles diesem Ideal entgegenstand.Die dreifache Belastung durch Erwerbsarbeit, Haushalt sowie Geburtund Erziehung der Kinder, machte es der Arbeiterfrau fast unmöglich,sich aus den Niederungen einer trüben Jugend und schlechten Schul-bildung hinaufzuarbeiten.
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Der Arzt in der Versammlung sprach von der Anziehungskraft vonWurst- und Käseplatten auf den Mann, besonders wenn man sie mitPetersilie und Knoblauch garnierte. Marie war darüber empört undwollte sprechen. Aber Frau Bäumler winkte ab. Marie wollte dieVersammlung nicht stören und die Schwäche des Referenten nichtanprangern. So schwieg sie.
Aber schon damals muß von ihrem Wesen etwas ausgegangen sein,das anzog und den Gedanken erweckte, daß es lohnend sei, sich ihrerFührung anzuvertrauen. Sie war eine gut aussehende Frau, groß, miteinem scharf geschnittenen Gesicht. Einem Gesicht, das streng undherb war und das durch den intensiven, forschenden Blick der etwastief liegenden braunen Augen und durch ein gelegentlich leichtesLachen des Mundes einen besonderen Reiz erhielt. Immer war siegeschmackvoll und nie auffällig gekleidet. Sie strahlte eine ruhigSelbstsicherheit aus, und dennoch konnte sie oft, wenn sie ein