Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Von dieser Zeit an-es war 1909- sprachen Marie und auchElisabeth oft in öffentlichen Versammlungen in und um Berlin .

sie

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1911 bat Luise Zietz die Schwestern ,, auf Versammlungsreisenzu gehen. Da es dafür Tagegelder gab, konnten sich Watte undlibeth von ihrer Arbeit trennen. Sie gingen aber immer abwech-selnd auf Reisen, die Kindernicht allein zu lassen, und sahen

sich daher nur noch selten

Die Reisen führten sie, die bisher von der Welt nur Berlin undLandsberg kannten, nach Sachsen , Thüringen , Frankfurt am Main , BayerHamburg und in die obere Rheinprovinz . So erweiterten sie ihrenHorizont und lernten, wie verschieden die Lebens- und Arbeitsbe-dingungen und auch die politischen Verhältnisse im Reich waren.Sie sahen und erlebten, wie verschieden die Genossen in Nord und Südwaren und wurden gleichzeitig selbst in der Partei bekannt.

Im Jahre 1911 starb Mutter Gohlke. Elisabeth war gerade voneiner Vortragsreise zurückgekommen, und Marie war im Begriff, abzu-reisen.Nach der Beerdigung mußte die achtjährige Lotte die Groß-mutter im Haushalt vertreten. Die Doppelfamilie stand noch voreiner anderen Schwierigkeit. Christian Michael Röhl, ElisabethsMann, hatte nie Interesse für die Sozialdemokratie gehabt. MitElisabeths wachsendem Interesse für die Politik und durch ihreTätigkeit in der Partei, entfremdeten sich die Eheleute. DieseitSchwestern waren gewöhnt, alles miteinander zu besprechen;Marie viel auf Reisen sein mußte, spürten Elisabeth und ihr Mannnoch stärker als vorher, wie wenig sie sich gegenseitig zu sagenhatten.

Eine Versammlungsreise führte Marie in die obere Rheinprovinz .Luise Zietz hatte sie gebeten, in den Bezirken Köln, Aachen , Trier und Koblenz zu sprechen. Auch hier hatte Marie zunächst gezögert,den Auftrag anzunehmen und wieder war es Elisabeth, die ihr Mutmachte. Die Reise war gut vorbereitet. Ein genauer Plan enthieltdie Angaben über die Versammlungen, die Hotels, in denen Zimmer fürsie bestellt waren, über die Sehenswürdigkeiten jeder Stadt, inder sie sprechen sollte, die landschaftlichen Schönheiten der Reise-route waren erwähnt und sogar eine Liste billiger und guter Restau-rants beigefügt. Die wirtschaftliche und soziale Struktur der