Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Köln

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Im März 1913 ging Marie nach Köln . Obwohl sie nun Aussicht aufEntwicklungsmöglichkeiten hatte, nach denen sie sich immer gesehnt,und vor Aufgaben stand, auf die sie sich geflissentlich vorbereitethatte, fiel ihr der Abschied von Berlin schwer. Sie war 34 Jahrealt. Ihre Arbeit war ihre Lebensaufgabe geworden. Vom Leben er-wartete sie nicht mehr als das Gelingen ihrer Aufgabe. Aber siemusste sich von Elisabeth und den Kindern trennen. Elisabeth würdefür die Kinder sorgen, die sich als Geschwister betrachteten undnicht auseinandergerissen werden durften. Sie würden gut versorgtwerden. Aber nicht mehr alles mit Elisabeth bereden zu können, warein schwerer Gedanke.

Was würde ihre besondere Aufgabe in Köln sein?

Von der Gesamtmitgliederzahl der sozialdemokratischen Partei inDeutschland , damals eine Million, waren 15 Prozent Frauen. In deroberen Rheinprovinz war der Prozentsatz noch geringer. Bis 1913war die Mitgliederzahl der Partei im Durchschnitt jährlich um etwa15 Prozent gewachsen. Bei der Wahl im Jahre 1912 konnte die Partei35 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich erringen. Ein großerSieg! Als danach aber die von der Partei geforderte Verfassungsre-form, sowie andere Reformen, fehlschlugen und ihr Einfluss nichtzunahm, zog eine bis dahin nicht gekannte Müdigkeit in die Reihender Parteigenossen ein. Statt wie im Vorjahr 155 000, konnten 1913nur 12 000 neue Mitglieder aufgenommen werden; davon waren 10 000Frauen. Die Erklärung dafür ist in dem raschen Anwachsen derindustriellen Frauenarbeit zu suchen. Immer mehr Frauen wurden vordie gleichen wirtschaftlichen Probleme gestellt, mit denen dieMänner zu ringen hatten, um die sie enger mit der Arbeiterbewegungin Berührung brachten. Dazu kam, dass die Frauen, die sich nun seitfünf Jahren politisch organisieren durften, mehr und mehr кENEdieses neue Recht auch wahrnehmen wollten. Beide Faktoren wolltedie Partei in der oberen Rheinprovinz ausnutzen. Aus diesem Grundestellte sie eine Frauensekbetärin ein. Marie Juchacz sollte den neuin die Industrie eindringenden Frauen die Probleme, die sich fürihr wirtschaftliches und privates Leben aus der Erwerbsarbeit er-gaben, erläutern. Sie sollte daraufhinweisen, dass die Partei bereitwar, ihnen zu helfen, dass die Partei sie aber auch brauchte, umdas Ziel zu erreichen, die Lage der Arbeiterinnen und der Arbeiter-schaft überhaupt zu verbessern und sie von kapitalistischer Aus-beutung zu befreien. Zu diesem Zweck sollte Marie die Frauen per-