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Deutschen Reich war die Aufgabe der Regierung. Die Parteien be-gleiteten sie mit Reden. Die sozialdemokratische Partei wiesdarauf hin, dass die imperialistische Politik der Regierung, dieArmeevergrößerung, das Flottenprogramm und die Kolonialpolitikzum Kriege führen würden. In vielen Versammlungen demonstriertesie gegen Aufrüstung und Imperialismus. Die Aussenpolitik derRegierung zu beeinflussen, fehlte ihr aber die Macht. Jahrzente-lang hatte sie die Frage diskutiert, was die Arbeiterschaft tunmüsse und tun würde, um einen unmittelbar drohenden Krieg zu ver-hindern. Nun drohte der Krieg unmittelbar, aber die Partei warnicht sicher, ob die Arbeiter auf ihren Ruf hin die Mobilmachungwirklich sabotieren würden. Sie erliess den Ruf nicht, weil siefürchtete, keinen Widerhall zu finden, und weil sie deutschen Boden nicht feindlichen Heeren preisgeben wollte.
Der Parteivorstand forderte in den letzten Julitagen auf, überallin Versammlungen gegen den Krieg zu demonstrieren. Marie erinnertesich später an die" gewaltige" Kundgebung gegen den Krieg imKölner Volkshaus. Die Versammlung war gross und erregend, weil dieMassen kamen, um sich in diesem Augenblick um die Partei zuscharen, mit der sie sich immer verbunden gefühlt hatten, währendsie unsicher gewesen waren über ihre Gefühle gegenüber dem Vater-land. Aber" Gewalt" hatte die Versammlung nicht; am nächsten Morgenlag die Entscheidung in den Händen der deutschen Regierung wie
zuvor.
Erregung und Unsicherheit dauerten an. In Paris wurde Jaures er-mordet. Marie hatte 1912 seine Rede in der grossen Berliner Partei-versammlung gehört. Saal und Garten der" Neuen Welt" waren über-füllt gewesen, und die Menschen hatten erwartungsvoll auf derStrasse gestanden, obwohl es noch keine Lautsprecher gab. Der Ein-druck, den der grosse Redner und Mensch hinterlassen hatte, warüberwältigend gewesen." Wir Hanzosen sind friedfertig bis zumÄussersten", hatte er ausgerufen," aber wenn man uns demütigenwill, was dann?" Nun war er tot, der Mann, der für den Friedengekämpft hatte und Deutschland klar zu verstehen gegeben hatte,wo die Gefahr lag. Sinnlose Taten zerrissen seelische Bande, dieein Mann wie Jaures auch für Menschen geknüpft hatte, die, wieMarie, das Ausland nicht kannten. Der Mord erregte sie, da ihrFanatismus fern lag und unbegreiflich war.