Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Marie, Elisabeth und Emil Kirschmann , in ihrer Freiheit nunnicht mehr bedroht, überlegten, was zu tun war. Bevor sie zuEntschlüssen kamen, wurden Zörgiebel, Kirschmann und andereführende Sozialdemokraten eingezogen. Viele männliche Ratgeberverschwanden aus Maries Gesichtskreis. In dieser Zeit bliebnur das Frauenbüro regelmäßig geöffnet. Es erschien als dieeinzig sichere und beständige Einrichtung der Partei. Aber es warlahmgelegt. Öffentliche Versammlungen waren nicht erlaubt, Mit-gliederwerbung war unmöglich geworden.

Sie

Da erliessen am sechsten August der Vorstand der sozialdemokra-tischen Partei und die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands eine gemeinsame Proklamation. In ihr wurden die Ge-nossen aufgefordert, in erster Linie dafür zu sorgen, dass dieOrganisation erhalten bliebe. Weiter sollten die Kriegerfamilienüber ihr Anrecht auf Unterstützung beraten werden. Wo Sekretärevorhanden waren, sollten diese die Beratung übernehmen. Die Mit-arbeit der Frauen sei unbedingt notwendig. Die örtlichen Partei-und Gewerkschaftsorganisationen sollten auch den Gemeinden beiihrer Unterstützungstätigkeit, bei der Festlegung von Mindest-preisen für Lebensmittel und bei anderen Aufgaben helfen.Hier war also ein Wegweiser für die Kriegsarbeit. Er führte aufdas Gebiet der Wohlfahrtspflege. Ende August kam ein Rundschrei-ben von Luise Zietz . Die leitenden sozialdemokratischen Frauensollten danach die Auskunftserteilung über alle vor den Frauenneu auftauchenden Fragen übernehmen, sich der Frauen der einge-zogenen und der arbeitslos gewordenen Männer annehmen, sowieKinderfürsorge-, Kranken- und Wöchnerinnenhilfsstellen einrichten.Sie sollten in den gemeindlichen Unterstützungskommissionen fürKriegerfrauen nach Kräften mitarbeiten.

Marie hatte noch keinerlei Erfahrung in der Wohlfahrtspflege, mitAusnahme der Kinderschutz tätigkeit, die sie gerade erst begonnenhatte. Sie wusste, dass die Arbeiter nicht Fürsorge für denEinzelnen forderten, sondern soziale Gerechtigkeit. Zwar hattendie Gewerkschaften ihr eigenes Versicherungssystem eingeführt,das bescheidene Zahlungen bei Streik, Arbeitslosigkeit, Krankheitund Alter gewährleistete, das aber im wesentlichen dazu diente,die Arbeiter in ihren wirtschaftlichen Kämpfen zu stärken unddie Zugehörigkeit zur Gewerkschaft anziehend zu machen.