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Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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IM PARTEIVORSTAND

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1916, während der Parteikrise, rief der ParteivorsitzendeFriedrich Ebert Marie Juchacz nach Berlin und bot ihr dieStelle einer Frauensekretärin im Parteivorstand an.

Mit dieser Stelle war die Mitgliedschaft im Parteivorstandnach der Wahl durch den Parteitag verbunden.

Luise Zietz , die bisherige Frauensekretärin, hatte die Stelleverlassen. Im Januar 1917 wurde sie die Frauensekretärin derUnabhängigen Sozialdemokratischen Partei so nannte sich dieOpposition- und gehörte von da ab deren Parteivorstand an.Marie zögerte. Sie erklärte Ebert, daß Luise Zietz sie inihre jetzige Stellung gebracht hatte. Denn als sie Marie fürdie Versammlungsreise in die obere Rheinprovinz empfahl,wußte sie, daß man dort eine Frauensekretärin suchte und ge-neigt war, eine von Luise Zietz empfohlene Frau zu ernennen,wenn die Versammlungsreise befriedigend verlief. Ebert warüberzeugt, daß Marie die Klarheit und Fähigkeit besaß, umauch mit diesen inneren Schwierigkeiten fertig zu werden.Marie wußte, daß sie diesen Eindruck machte. Sie fühlte aber,wie völlig unklar sie sich in diesem Augenblick über das war,was sie tun sollte. Das Angebot war die Anerkennung undKrönung ihrer bisherigen Tätigkeit. Der Parteivorstand brauch-te eine Frauensekretärin. Luise Zietz war gegangen und kamnicht mehr in Frage. Insoweit war die Annahme der Stellunggerechtfertigt. Aber Luise Zietz zu ersetzen, war keineleichte Aufgabe. Sie hatte gewerkschaftliche Erfahrung, hatteschon von 1897 an als Delegierte an Parteitagen teilgenommenund war 1909 als erste Frau in den Parteivorstand gewähltworden. Hinzu kam, daß sie ein temperamentvoller Mensch war,eine gute Rednerin, die politische Debatten führen konnte,ohne über die Köpfe der Frauen hinwegzusprechen.Marie erbat sich Bedenkzeit.

Nach Köln zurückgekehrt, besprach sie das Angebot Eberts mitihrer Schwester. Elisabeth redete ihr zu, wollte aber nichtmitgehen. Einmal ihrer eigenen Arbeit in der Kölner Parteiund zum anderen Emil Kirschmann's wegen. Sie versprach aber,Marie's Kinder zu behalten, denn Kinder zu erziehen und