Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
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nen Stellen, die die Mobilisierung der Frauen betrieben unddie Durchführung der gesetzlichen Schutzbestimmungen über-wachten. Marie stellte fest, daß diese Tätigkeit einem großenKreis von Frauen Rat und Hilfe brachte und der sozialdomo-kratischen Agitation eine gute Resonanz verschafften." Wenn wir Hilfe geben können, kommen wir politisch leichteran die Frauen heran. Die in der öffentlichen Arbeit stehendenFrauen freuen sich, daß sie die Möglichkeit haben, praktischfür andere Frauen wirken zu können. Sie reifen politisch".Man spürte es, wie sehr Marie daran gelegen war, die Arbeitder Frauen innerhalb des Staatsgefüges zu sichern und auszu-dehnen. Die Frauenversammlungen, so berichtete sie weiter,befaßten sich mit dieser öffentlichen Tätigkeit, außerdemmit Problemen der Kriegswirtschaft, der Lebensmittelkappheitund dem Frauenstimmrecht.

Für die meisten Frauen jener Zeit, die sich für das öffent-liche Leben interessierten, war das Frauenstimmrecht mehr alsnur ein Instrument, um ihre Freiheit und die Gleichberechti-gung mit den Männern zu gewinnen und damit die Voraussetzungfür eine wirkungsvolle öffentliche Tätigkeit. Das Frauen-stimmrecht war ihnen ein Symbol des Fortschritts derMenschheit. Viel Überschwang war damals in der Frauenstimm-rechtsbewegung. Marie blieb nüchtern und sah das Stimmrechtvor allem als Instument zu weiterer Entwicklung." Es wirdein Mittel sein, mit dessen Hilfe die Frauen endgültig inihre menschliche, politische, wirtschaftliche und sozialeAufgabe hineinachsen."

Über das Sozialprogramm sprach in Würzburg nicht Marie,sondern Rudolf Wissel, der Arbeitersekretär und spätereWirtschafts- und Arbeitsminister der Weimarer Republik .Das Referat behandelte in erster Linie die Arbeits- undArbeitergesetzgebung, wandte sich auch gegen die entwürdi-gende Wirkung der Armenpflege und behandelte die Reform desJugendstrafrechtes. Was Wissel vortrug, war noch kein um-fassendes Programm für die künftige Wohlfahrtspflege, nurder Auftakt zu einer Reform.

Der Parteitag wählte Marie zur Frauensekretärin und zumMitglied des Parteivorstandes.