Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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PARLAMENTARIERIN

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Im Herbst 1918 bracht die Westfront zusammen, am 9. Novemberdas Kaiserreich. Am 12. November verkündete der Rat der Volks­ beauftragten Deutschlands neue Regierung. Eine Reihe sozialerund politischer Reformen, unter ihnen das gleiche, geheime,direkte und allgemeine Wahlrecht auf Grund des proportionalenWahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen undweiblichen Personen, wurde eingeführt. Mitte Dezember beschloßder Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte gegen die Anhängerder Räterrepublik demokratische Wahlen am 19. Januar 1919.Marie Juchacz kandidierte bei den Wahlen an zweiter Stelle,hinter Rudolf Wissel, auf der sozialdemokratischen Liste desWahlkreises Niederbarnim , der die nördlichen und östlichenVororte Berlins umfaßte, und wurde in die VerfassungsgebendeDeutsche Nationalversammlung gewählt.

Am Tag der Wahl war die große Volksbewegung von November 1918авнайдиschon am rebben. Die sozialdemokratischen Parteien beiderRichtungen erhielten nicht einmal zusammen die Mehrheit inder Nationalversammlung , sondern nur 45 Prozent aller Stimmen.Eine sozialistische Neugestaltung war danach nicht mehrmöglich, nur weitere politische und soziale Reformen.

Am 6. Februar 1919 trat die Nationalversammlung in Weimar zusammen, am 11. Februar wählte sie den sozialdemokratischenParteivorsitzenden Ebert zum Reichspräsidenten. Scheidemann ,von Ebert zum Ministerpräsidenten ernannt, hielt seineprogrammatische Rede. In der Aussprache über diese Redebetrat zum ersten Mal in einem deutschen Parlament eineFrau das Rednerpult: Marie Juchacz .

Sie führte sich zur allgemeinen Freude mit einer Höflichkeitein. Anstatt des üblichen" Meine Damen und Herren", redetesie die im Plenarsaal versammelten Abgeordneten mit" MeineHerren und Damen" an.

Zunächst sprach sie über die große Neuerung, das Frauenstimm-recht. Dann griff sie zwei Punkte aus Scheidemanns RedeFrauen

heraus, sein Versprechen, zu öffentlichen Ämtern heranzu-ziehen und Bildungswege bis zu den höchsten Stellen fürFrauen und Minderbemittelte zu öffnen. Fragen, die sie seitihrer Kölner Kriegsarbeit besonders beschäftigten.