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Programm zur Wohlfahrtsgesetzgebung vorgelegt habe. Es wandte sichgegen die Zersplitterung der Wohlfahrtsgesetzgebung und-verwaltungund forderte die Reform der Armenpflege, ein Jugendwohlfahrtsgesetzund ein Jugendgerichtsgesetz, das den Erziehungsgedanken an die Stelledes Strafgedankens setzen sollte. Ihr Programm hatte die Billigung desParteivorstandes gefunden, und im Namen der sozialdemokratischen Reichs-tagsfraktion fragte sie die Reichsregierung, ob sie bereit wäre, demReichstag entsprechende Gesetze vorzulegen. Sie erhielt keine positiveAntwort von der Regierung, der damals, nach der Reichstagswahl von 1920,keine Sozialdemokraten angehörten.
Um die Idee der Arbeiterwohlfahrt zu fördern und deren Organisationzu stärken, bat Marie die Reichstagsabgeordnete Clara Bohm- Schuch ,Redakteurin der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift" Die Gleichheit"ihr durch Veröffentlichungen über die Aufgaben und Ziele der Arbeiter-wohlfahrt zu helfen. Clara Bohm- Schuch sagte zu." Die Gleichheit" ver-öffentlichte in der Folgezeit u.a. Artikel von Hedwig Wachenheim ,Hans Caspary und Marie Juchacz.
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Aus dem Wunsch heraus, sich in die Fragen der Wohlfahrtspflege zuvertiefen und einen Kreis zu schaffen, der die Probleme sozialistischerWohlfahrtspflege untersuchen und sie selbst beraten könne, berief Marieeinen Kreis sozialdemokratischer Wohlfahrts sachverständiger, den siebat ein Mohlfahrtsprogramm zu entwerfen, das mit den Zielen der Par-tei übereinstimmte und die Frauen der Partei zum Studium der Problemeund zu praktischer Mitarbeit anregen sollte. Sie lud die Sachverstän-digen zu regelmässigen Besprechungen ein, berichtete den Bezirksaus-schüssen über die Gutachten und erbat deren Meinung darüber. In denKonferenzen war u.a. Dr. h.c. Helene Simon Referentin zu Fragen derPrinzipien sozialistischer Wohlfahrtspflege. Sie war, wie bereits er-wähnt, eine seit langem anerkannte Sozialreformerin, die schon währenddes Kaiserreiches nie ein Hehl aus ihrer sozialistischen Gesinnung ge-macht hatte. Helene Simon war auch Frauenrechtlerin und hatte 1908ein Buch" Mutterschaft und geistige Arbeit" veröffentlicht, in dem sieam Beispiel englischer, amerikanischer und deutscher Frauen nachwies,dass beides vereinbar war. Ihr erstes Buch war Robert Owen , dem ent-lischen Sozialreformer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts,gewidmet. Für die deutsche Wohlfahrtspflege war ihre bedeutendsteliterarische Leistung eine Übersetzung des Buches" Das Problem derArmut" von dem englischen Fabierehepaar Sidney und Beatrice Webb , die1912 veröffentlicht worden war. Sie verbreitete damit die Reformgedan-ken der Webbs über die Notwendigkeit vorbeugender und heilender Für-sorge an Stelle der in Deutschland üblichen Methode, den Hilfsbedürf-
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