Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 
  

Diskussionsredner verwarfen die" graue Theorie" in Bausch und Bogen." Zu Unfecht", antwortete Helene Simon ," denn ohne Theorie kommen wirnicht zur Überwindung der Not. Doch ist es gut und notwendig,Theorie immer wieder an der Praxis zu prüfen und zu wandeln."

die

Ein erschütterndes Bild der Not im Lande, des Willens zu helfenund oft auch der Ratlosigkeit über die besten Wege zur Hilfe enthalte

sich durch diese Diskussion.

Ju

Die noch ungeordnete Vielfältigkeit des Denkens und der Interessenspiegelte sich auch in den angenommenen Resolutionen. Man beschränktesich nicht auf Wohlfahrtsfragen im engeren Sinne. Schutz für unehelicheKinder und Hausangestellte wurde verlangt, ebenso die Sicherung desAchtstundentages, des Rechtes unehelicher Mütter auf Arbeit und finan-zieller Ausgleich für kinderreiche Familien während der Teuerung.

Andere Resolutionen dagegen zeigten, wie stark das Verständnisfür die unmittelbaren und weiteren Ziele der Arbeiterwohlfahrt gewach-sen war. Die Delegierten wurden gebeten, sich der Amtsvormundschaftzur Verfügung zu stellen. Die Verzögerung des Reichsjugendwohlfahrt-gesetzes durch den Reichstag wurde gerügt, und ein lückenloses Netztvon kommunalen Jugendämtern verlangt sowie ein Reichsjugendamt, dasihre Arbeit zusammenfassen sollte." Die Wohlfahrtskonferenz fordert",so hiess es in einem der Beschlüsse," die Schaffung eines einheitlichenReich ohlfahrtsgesetzes, das die Wohlfahrtspflege in die Hand der Selbstverwaltungskäpkörperschaft legt." Marie Juchacz legte danach derReichsregierung eine Denkschrift über ein Reichswohlfahrtsgesetz vor.

Die Konferenz machte auch in einem ihrer Beschlüsse geltend, dassSozialdemokraten und namentlich sozialdemokratische Frauen in grosserZahl in der Fürsorge mitarbeiten müssten, damit die Demokratisierunggesichert sei. Der Beschluss lautete weiter:" Da aber die Bedeutungder beruflichen Wohlfahrtspflege steigt, müssen auch deren Stellen insteigendem Masse von Männern und Frauen aus der Arbeiterklasse besetztwerden. Ausbildung für diesen Beruf ist nötig und, da die Wohlfahrts-pflege Arbeit für die Volksgemeinschaft ist, muss diese Ausbildung vomReich, den Ländern und Gemeinden gefördert werden. Die jetzt gewährtenStipendien genügen nicht. Halbtagsstellungen müssen geschaffen werden,damit die Jugend des arbeitenden Volkes und, zum Beispiel, auch dieKriegerwitwen sich ihren Lebensunterhalt verdienen können, während sieeine Wohlfahrtsausbildung erhalten." Das war damals ein ungewöhnlicherGedanke, da Erwerbsarbeit neben der Berufsausbildung ebenso wenig üb-lich war, wie der Aufstieg Minderbemittelter in gehobene Berufe." DieSonderlehrgänge für Arbeiterinnen", so verlangte die Resolution weiter," müssen zu Einjahreskursen erweitert werden. Auch der Aufstieg geeigne-

ter