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Gesamtleben der Partei und dem Denken der Arbeiterschaft. Die Sachver-ständigen gaben der Arbeiterwohlfahrt ihr reiches geistiges Leben. Unddieses geistige Leben zog die vielen jungen Menschen an, die auf demGebiet der Wohlfahrtspflege arbeiteten. Die Revolution von 1918 hatte,so erschien es der Jugend, eine neue menschliche Gemeinschaft verspro-chen, die die Jugend nun schaffen wollte. Die Revolution hatte so vieleneue soziale Lösungen versucht und viele unversucht gelassen, so dassvor der Jugend grosse Aufgaben standen. Die Arbeiterwohlfahrt, die sichsoziale Reformen zum Ziel gesetzt hatte, erschien als ein Platz, an demman die sozialen Lösungen diskutieren und auf ein neues menschlichesZusammenleben hinwirken konnte. Hier konnten die jungen Fürsorgerinnenund Fürsorger auch die Aufgaben des sozialen Berufes im Gesamtlebender Nation und im Rahmen des sozialen Fortschrittes erforschen underörtern. Aktiven Anteil an diesem Sehnen und Gestalten der Jugend hatMarie Juchacz nicht genommen, aber sie freute sich daran und sicherteihm freie Entfaltung. So ist es ihr Verdienst, dass die Arbeiterwohl-fahrt geistig und politisch beweglich blieb und auf Fortschritt inihrem Bereich drängte.
Die Verbindung von Arbeiterwohlfahrt und Sozialdemokratischer Par-tei, die Marie Juchacz verkörperte, gab der Arbeiterwohlfahrt ihre Re-sonanz und Bedeutung. Ohne diese Verbindung wäre sie ankerlos hin- undhergetrieben und vielleicht zu einer reinen Wohltätigkeitsorganisationgeworden. So blieb sie eine wohlfahrtspolitische Organisation trotzder ungeheuren praktischen Arbeit, die sie leistete.
Ihre hohe Bewertung der praktischen Arbeit in der Wohlfahrtspflegeals Mittel zur politischen Erziehung und Bildung gab Marie Juchacz nieauf. Die Arbeiterwohlfahrt blieb trotz der grossen Rolle, die Fachleutein ihr spielten, eine Massenbewegung, in der sich Theorie und Praxisgegenseitig fruchtbar ergänzten.
Unter den Fachleuten, die in der Arbeiterwohlfahrt mitarbeiteten,gewann Marie Freunde und Anhänger. Hermann Heimerich , der Kieler Stadt-rat und nachmalige Oberbürgermeister von Mannheim , rühmte wie Helene Simon ihre Beseeltheit, Sachlichkeit und kluge Führung. Wenn sie inDresden war, verbrachte sie ihre freien Stunden im Hause von Dr. HansMaier, der aus der städtischen Wohlfahrtspflege von Frankfurt am Main kam und als Ministerialrat im Sächsischen Ministerium des Innern fürdie Wohlfahrtspflege zuständig war. Toni Pfulf , Mitglied des Reichstagesfür Oberbayern , die schon früh moderne Erziehungsmethoden vertrat, ge-hörte zu Maries engerem Kreis. Auch Hans Caspary war ihr nahe verbunden.
In der erwähnten Eröffnungsrede auf der Görlitzer Jahrestagung