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Jugend sollte die jugendamtliche Arbeit die polizeiliche ersetzen.
Auch für die Fürsorgeerziehung wurden Forderungen erhoben, dieeine Reform der Anstalten und die Beschäftigung ausgebildeter Erzieherverlangten.
Die 3. Konferenz der Arbeiterwohlfahrt, die am: Dezember 1923 inKöln stattfand, war sehr verschieden von den vorangegangenen. Sie warganz Marie Juchaczs Werk, die wie immer angespornt wurde von ihren per-sönlichen Erfahrungen. Die" rfahrungen, die sie zu jener Zeit in ihrerArbeit sammelte, resultierten aus der Not, der bitteren Not des Jahres1923. Ursache dafür war die Inflation, deren Höhepunkt erst drei Wochenzurücklag. Den letzten Anstoss zum schwindelnden Anstieg der Inflationhatte der" passive Widerstand" im Ruhrgebiet gegeben, das,
Las
von den Franzosen.
Betriebe,
Die Nakaoken rückten( am 11. Januar 1923 in das Ruhrgebiet ein,besetzt wurde,( weil Deutschland mit einigen Reparationsleistungen im Rückstand war.Das Revter war in egensatz zum linken Rheinufer und den Brückenköpfenyon Nainz, Koblenz und Köln , nach dem Friedensvertrag nicht besetzt wor-Nimdans am de Besetzung wurde die geförderte Kohle als Reparationslei-stung angerechnet. Aus öffentlichen Mitteln mussten idie Zechen sowieandere Werke, die wegen Kohlenmangel nicht produzieren konnten, unter-halten werden. Die Gemeinden im Ruhrgebiet hatten hohe Unterstützungs-halfausgaben und geringe Einnahmen. Sie wurden vom Reich durch immer stei-genden Notendruck, finanziert. Die Reichsregierung druckte, bis die Markallen Wert verloren hatte. Im Oktober 1923 brauchte ein Arbeiter zumBeispiel einen Wochenlohn, um einen Zentner Kartoffeln zu kaufen. Fürlo Arbeitsstunden bekam er ein Pfund Margarine. A 26 September 1923musste der passive Widerstand abgebrochen wenden. Am 16. November wurdedie Rentenmark geschaffen. Als es wieder wertbeständiges Geld gab, stiegsofort die Arbeitslosigkeit. Im Juli 1923 hatte es nur 180 000 Erwerbs-lose gegeben, im Dezember stieg die Zahl auf anderhalb Millionen.
Marie Juchacz ging absichtlich mit der dritten Konferenz der Ar-beiterwohlfahrt ins besetzte Gebiet. Sie wollte der deutschen Bevölkerungdort das Interesse der Arbeiterwohlfahrt zeigen und sich im Ausland bes-seres Gehör verschaffen. Sie lud die in Deutschland tätigen und helfendenden ausländischen Organisationen ein. Es waren die Quäker, das Interna tionale Rote Kreuz , die Internationale Kinderhilfe und auch die engli-sche Militärmission, die in Köln ihren Sitz hatte. Die Veranstaltungwurde, so schrieb sie 1924 in ihrem Buch, ohne dass die Veranstalter eswollten, eine Kundgebung von erschütternder Gewalt." Wir können unsnicht mehr selbst helfen", hiess das Motto. Marie sagte auf der Konferenzdass alle Schleusen der Verelendung von Tag zu Tag weiter geöffnet wür-den. Sie erinnerte an die" underttausende von Kindern, die in kalten