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Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Persönliches Zwischenspiel

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Maries Kinder, Lotte und Paul, lebten immer noch im Haushalt vonElisabeth und Emil Kirschmann . Lotte wollte in Berlin die Rechtestudiezen. Auch für Elisabeth Kirschmann als Mitglied des preußi-schen Landtages und für Emil Kirschmann er war seit 1924 Ober-regierungsrat im preußischen Ministerium des Innern ergab sichdie Notwendigkeit, in Berlin zu leben. Die Doppelfamilie brauchtedort also ein Heim und erwarb ein Siedlungshaus im Stadtteil Köpenick .Elisabeth empfand viel Freude daran, das Heim behaglich einzurichten;das hatte sie von ihrer Mutter gelernt, die viel Geschmack und vielFreude an Schönheit gehabt und die, soweit ihre geringen Mittel daserlaubten, ihre kleine Wohnung in Landsberg gern ausgeschmückt hatte.Das Haus, das Marie und die beiden Kirschmanns erwarben, hatte einenkleinen garten, Es lag nahe am Wald und gewährte so Ruhe und Erholung.Es wurde su einem behagliche Heim, in dem auch manchmal längere Kon-ferenzen der Arbeiterwohlfahrt in kleinem Kreis abgehalten wurden. DeWohnung in Köln behielt Elisabeth, bei, da sie ja viel in ihrem Wahl-kreis zu arbeiten hatte, und Marie hatte so in Köln ein Heim, das ihrauf ihren Reisen im Rheinland eine angenehme Häuslichkeit bot. Mariehing eehr an Köln und förderte die Einrichtungen und Anstalten derberief/ auch oftRheinländer in Positionen der Arbeiterwohlfahrt oder betraute siemit Referaten. Robert Goerlinger zum Beispiel, der die Lotterie derArbeiterwohlfahrt mit Hingabe und großem Erfolg leitete, war damals

rheinischen Arbeiterwohlfahrt, wo sie nur konnt officials

Kölner Stadtverordneter.

Marie genoß die angenehme Häuslichkeit mit Schwester und Schwagerin Köln und Berlin . Im Zusammensein mit ihnen war sie freier und ge-löster, und Traf man sie mit den beiden, so hatte man das Gefühl,daß sie mehr über Maries persönliches Fühlen und Denken wußten alsandere Menschen und daß Marie sich vor ihnen nicht so verschloß, wiesie das sonst tat.

Über das Verhältnis und die Natur der beiden Schwestern schrieb Hedwig Wachenheim später einmal:

" Die gemeinsame Arbeit brachte mich mit beiden Frauen persönlich zu-sammen, und besonders mit Elisabeth verband mich eine Freundschaft,die noch intimer wurde, als ich 1928 in den preußischen Landtag ge-wählt wurde, dem Elisabeth schon länger angehörte.y

Die beiden Schwestern waren von einer Innigkeit, wie man sie selbstbei Schwestern selten beobachtet.... Ihre drei Kinder gehörten ihnergemeinsam. Beide Frauen waren sich äußerlich ähnlich, aber verschiedein ihrem Wesen. Marie war verschlossen und Herb, voll strenger Würde.Elisabeth war weich, freundlich und fröhlich, den Annehmlichkeiten deLebens zugetan. Sie schrieb gewandt und hübsch ohne viel Schwierig-