Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Auch den Jahrgang 1928 der" Arbeiterwohlfahrt" leitete Marie Juchacz mit einem Artikel ein. Sie dankte darin den Mitarbeitern der Zeitschriftfür ihr kluges, weitschauendes Denken und die weiten Ziele, die siesich gesteckt hatten. Wieder fühlte sie sich als Anwalt der Praxis.Sie sprach von den Anregungen, die die Mitarbeiter der Zeitschriftaus der praktischen Arbeit erhalten hatten und ermahnte sie, mit bei-den Füßen auf der Erde zu bleiben. Alles brauche Zeit um zu wachsenund zu reifen; das sei ein Gesetz, dem alles Mens chliche, alles waslebt und wirkt, unterworfen sei. Doch drückte sie auch ihre Freude über*)den schnelleren Gang der Gesetzgebung aus, die" wir gewollt unddurchgesetzt haben". Die Modernisierung der Gesetzgebung sei noch nichtabgeschlossen.

Anfang 1928 hielt der Hauptausschuß die erste Reichsschulungswochein seinem Heim Clausthal in Kellinghusen ( Schleswig- Holstein ), einemErholungsheim für Erwachsene ab. Jeder Bezirk entsandte einen Teil-nehmer(-in) aus den Reihen seiner Mitarbeiter nach Kellinghusen .Das Programm der Schulungswoche läßt erkennen, welches die besonderenInteressengebiete der Arbeiterwohlfahrt im Jahre 1928 waren.Der fachliche Teil war ausgefüllt von drei Fragen: Geschlechtskrank-heitengesetz, Strafgefangenenfürsorge und Fürsorge für gefährdeteJugend. Regierungsrat Krebs, der Leiter der LandesstrafanstaltThüringen in Untermassfeld sprach am ersten Tag über Strafvollzug,Strafentlassenenfürsorge und soziale Gerichtshilfe. Gleichzeitigveröffentlichte die" Arbeiterwohlfahrt" Artikel von ihm über dieseThemen und zu dem im September 1927 veröffentlichten Regierungsent-wurf zu einem Gesetz über den Strafvollzug, das den Strafvollzug ver-einheitlichen und modernisieren sollte. Ein Anfang zu beidem war schon1923 mit Reichsgrundsätzen über den Vollzug von Freiheitsstrafen gemacht.Auch auf dem der Reichsschulungswoche folgendem Pfingsttreffen sprachKrebs über diese Themen. In allen Strafanstalten, so meinte er, müssees eine Beobachtungsstation geben, auf der ein Psychiater und einPsychologe arbeiten; dann erst könne der Pädagoge wirken. Die Arbeitder Strafgefangenen müsse regelmäßig und nützlich sein. Krebs empfahlStrafvollzug mit dem Übergang von der Beobachtungsstufe zur Behandlungs-und schließlich zur Bewährungsstufe. Erziehung sei der Sinn des

*) Das" Reichsgesetz für Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenver-sicherung" und das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheitenwaren 1927 verabschiedet worden.