Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 
  

M18

29

Wachenheim zur Schriftführenden der Internationalen Arbeiter-wohlfahrt gewählt.

Zur Zehrjahresfeier wurden auch die Teilnahmer des Reichsspitzen-kurses, der in Berlin um diese Zeit begann, eingeladen. Se

konnten die Genossen aus den anderen Ländern viele Mitarbeiterder deutschen Arbeiterwohlfahrt kennenlernen.

Der Reichsarbeitsminister Wissel und der preussische Minister-präsident Otto Braun nahmen an der Feier teil.

Nachdem der Vorsitzende der Berliner sozialdemokratischenPartei, Franz Künstler , die Leistungen der Berliner Arbeiter-wohlfahrt für die Wohlfahrtspflege der Stadt dargestellthatte, nahm Marie Juchacz das Wort:

" Wir fühlen uns jung und dennoch sind wir erfahren, denn dieWurzeln unserer Kraft liegen in der Arbeiterbewegung. Vor10 Jahren haben wir der immer vorhandenen Idee nur die äußereForm gegeben. Die Zweifler von damals haben gelernt, daßIdeen Organisationen brauchen, um sich durchzusetzen.

Vor dem Krieg hat man uns zur Arbeit nicht zugelassen. Währenddes Krieges war man froh um unsere Mitwirkung; man brauchtejeden Kopf, jede Hand und brauchte diejenigen, die das Ver-trauen der Arbeiterschaft hatten. Ein paar Jahre nach demKrieg liess man uns gewähren. Heute versucht man wiederunsere Arbeit auszuschalten, uns anzuklagen, daß wir Politikin die eine neutrale Arbeit hineintragenWir aber könnennicht um Formalien willen den Gedanken einer eigenen Wohl-fahrtsorganisation der Arbeiterschaft ablehnen.

Man fragt uns heute nach den ehtischen Kräften unsererArbeit. Wo sich als zwingende Folge der allgemeinen Lebens-anschauung die Kameradschaftlichkeit oder Solidarität vonselbst ergibt, da entbehrt die soziale Arbeitsleistunggewiss nicht der ethischen Kraft, ohne die soziale Arbeitüberhaupt nicht denkbar ist.

Was wir sind, können wir nur sein in der demokratischenRepublik . Erst im demokratischen Staat können wir dieKräfte entfalten, die am Ausbau der Wohlfahrtsstaates mitar-beiten wollen und können, die auch erst im neuen Staatgefördert werden.

Die öffentliche Wohlfahrtspflege ist angewiesen auf die Hilfeder Bevölkerung. Wir schulen unsere Helfer dauernd und