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Im Sommer 1930 war Lotte Lemke , heute 2. Vorsitzende und Haupt-geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Geschäftsführerin desHauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt geworden, nachdem sie schonein Jahr in der Geschäftsstelle gearbeitet hatte. Damals hattesich der Arbeitsausschuß nach einer erfahrenen, umsichtigen undin ihrer Arbeit zuverlässigen Stütze für die Geschäftsführerinumgesehen. Hedwig Wachenheim empfahl Lotte Lemke , die sie ausdem Nachschulungskurs 1925/26 und aus ihrer Tätigkeit als ge-schäftsführende Fürsorgerin im Kreis Cala N.L. kannte.Lotte Lemkes sachkundige Artikel über Jugendwohlfahrtspflegein der" Arbeiterwohlfahrt" waren Marie Juchacz aufgefallen.Sie stimmte freudig zu und versicherte Lotte Lemke ihresVertrauens, als diese bei ihrer Vorstellung Zweifel an ihrerEignung für eine so wichtige Stellung aussprach.Lotte Lemke war sehr verschieden von ihren Vorgängerinnen, diewenig Berührung mit dem Geist der Arbeiterbewegung hatten undeben hauptsächlich Geschäftsführerinnen waren. Lotte Lemke , waraktives Mitglied der" Arbeiterjugend" gewesen; Die Gedankenund Ziele der Arbeiterbewegung waren Teil ihres Lebens undselbstverständliche Grundlage ihrer Arbeit. Man spürte das beijedem Wort, das sie vor der Arbeiterwohlfahrt sprach oder in derZeitschrift schrieb. Sie hatte auch im Gegensatz zu ihren Vor-gängerinnen eine gute Fachbildung und große wohlfahrtspflege-rische Erfahrung.
Maries Würde und Ernst und die Art, wie sie über Kleinigkeitenhinwegging, und das wesentliche der neuen Stellung betonte,beeindruckten Lotte Lemke , und schon in ihrer ersten Unterredungmit Marie Juchacz entwickelte sie bei ihr ein Gefühl der Ergeben-heit und Verehrung für die Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt.Marie unterstützte Lotte in ihrer Arbeit und erweiterte allmäh-lich deren Aufgabenkreis." Über persönliche Angelegenheitensprach Marie nie mit mir, aber die sachliche Kameradschaftlich-keit war", wie Lotte Lemke berichtet, ungeheuer stärkend undgab ein gutes Gefühl von Sicherheit undh im Menschlichen".