Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Auch die Themen des Pfingsttreffens der Arbeiterwohlfahrt imJahre 1931 entsprachen der Entwicklung zu vertiefter geistigerAuseinandersetzung. So sprachen u.a. der Soziologe Albert Salomon ,Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin , über" Das sozialeAntlitz der Zeit" und Dr. Annemarie Hermberg über" Volksbildungund Wohlfahrtspflege". Das letzte Thema erhielt eine besondereAktualität durch die Notwendigkeit, für die erwerbslose Jugendjener Zeit auch Bildungsmaßnahmen zu veranstalten.

Trotz der Krise wurden Pläne, die unter anderen Voraussetzun-gen einst begonnen worden waren, fortgesetzt. So fuhren Marie Juchacz , Hedwig Wachenheim und lotte Lemke im Juli 1931 nach Wien ,wo die Sozialistische Internationale tagte und eine Konferenz derInternationalen Arbeiterwohlfahrt abgehalten werden sollte. Nebenden Oesterreichern nahmen Schweizer , Belgier , Polen , deutschesowie tschechischey Delegierte teil. aus der Tschechoslowakei A.

sowie deutsche

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Die deutsche Arbeiterwohlfahrt wurde formell beauftragt, eineAuslandskorrespondenz der Arbeiterwohlfahrt herauszugeben, undMarie Juchacz versprach, künftig Freunde aus dem Ausland auch alsSprecher zu den deutschen Konferenzen einzuladen. Noch sah sienicht voraus, daß die Arbeiterwohlfahrt keine öffentlichen Konfe-renzen mehr abhalten würde.

Die Arbeitslosigkeit stieg weiter an, im Dezember 1931 auf5 666 000.

An der Winterhilfe 1931-1932, die unter dem Protektorat desReichsministeriums des Innern und des Reichsarbeitsministeriumsstand, wollte die Arbeiterwohlfahrt nur mitwirken, wenn neben denfreien Wohlfahrtsverbänden auch die öffentliche Wohlfahrtspflegebeteiligt würde. Bei den zentralen Verhandlungen wurde dies nichtdurchgesetzt, und so machte der Hauptausschuß der Arbeiterwohl-fahrt nicht mit, stellte aber den Ortsausschüssen die Beteiligungfrei, wenn diese Bedingung erfüllt werden würde. Ein Teil derOrtsausschüsse beteiligte sich daraufhin an der Winterhilfe undführte daneben auch die Solidaritätshilfe der Arbeiterwohlfahrt"durch, die von der ganzen AW getragen wurde.

Die Winterhilfe und die Solidaritätshilfe waren ein Akt derMenschlichkeit% 3B ihre finanziellen Ergebnisse erlaubten die Durch-führung ergänzender Hilfen zu denen der öffentlichen Fürsorge.Aber es ist unbestritten, daß nur die Tatsache, daß die öffent-lichen Leistungen- wenn auch in gekürzter Form- erhalten blei-ben konnten, der notleidenden Bevölkerung über den Winter hinweg-half.