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Ihrer Neigung, Menschen, die der Hilfe bedurften, Hilfe zubringen, blieb Marie treu. Wo immer sie von wirtschaftlicher Not er-fuhr, sorgte sie dafür, daß die Sarrbrückener Arbeiterwohlfahrt tätigwurde. Wo sie von persönlicher Not hörte, griff sie selbst ein. Sielud Verzweifelnde in ihre enge, dunkle Wohnung ein und ermutigte sie;sie schlichtete den Streit überreizter Menschen. Ihre unerschütterlicheRuhe teilte sich- wie Augenzeugen berichten anderen mit.
Die Abstimmung des Saargebietes, die Anfang Januar 1935 statt-fand, fiel zu Gunsten des Anschlusses an Deutschland aus. Marie Juchacz und Emil Kirschmann konnten nicht länger in Saarbrücken bleiben. Siemußten weiter wandern. Käthe Fey und andere Freunde schlossen sich an.Sie gingen nach Mülhausen im Elsaß , wo sie der deutschen Grenze naheblieben, und wo ihre Sprache verstanden wurde.
In Mülhausen schrieb Emil Kirschmann aufgrund des Materials, dasihm von deutschen Flüchtlingen und anderen Grenzgängern zuging, eine" Freiheitskorrespondenz", die von europäischen, aber auch von amerikani-schen Blättern nachgedruckt wurde. Marie wurde zur Hausfrau und halfEmil bei seinen Arbeiten.
Im ganzen wer Mülhausen für die beiden Wanderer eine Fortsetzungdes Zwischenstadiums, eine Zeit, in der sie noch immer glaubten, daßdie ergangenheit bald wieder als" egenwart auferstehen werde.
Am Tage der besetzung von Paris , 1940, räumten die Franzosen dasElsaß von deutschen Flüchtlingen, die sie nach Südfrankreich schickten.In einem kleinen Bündel konnte Marie ein Kleid, ein Paar Schuhe undetwas Wäsche mitnehmen. Ein Dorf in der Nähe von Pau wurde ihnen alsAufenthalt zugewiesen. Es lag weit südlich der Demarkationslinie, ander die deutsche Besatzung endete. Bei Bauern kamen sie unter.
Ihre Wirte lebten in ständiger Furcht vor dem Eindringen desNazis. Sie hatten selbst nicht mehr genug zu essen. Mißtrauen gegenalle Deutschen wurde im Dorf laut. Aber Maries ruhige Würde half über