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alle Schwierigkeiten hinweg. Mit ihr konnte man nicht streiten,sie wollte man nicht kränken. Die anderen deutschen Flüchtlingelebten gewissermaßen unter ihrem Schutz.
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Indessen wurde in New York eine Rettungsaktion für die vonden Nazis verfolgten Flüchtlinge begonnen. Das Jewish Labour Commi-ttee( Jüdisches Arbeiterkomitee), das immer enge Beziehungen zureuropäischen sozialistischen Arbeiterbewegung unterhalten hatte,bat William Green, den Präsidenten des Amerikanischen Gewerkschafts-bundes( American Ferderation of Labour) sich bei Roosevelt für dieGewährung von Besuchervisa für Emigranten aus der europäischen Ar-beiterbewegung einzusetzen. Ganz gegen den Brauch der amerikanischerVerwaltung gewährte Roosevelt die Besuchervisa, weil er die Flücht-linge vor Tortur und Ermordung bewahren wollte. Das Jewish LabourCommittee erklärte sich bereit, die Schiffrreisen zu bezahlen. Esbetraute die German Labour Delegationin the United States( DeutscheArbeiterdelegation in den Vereinigten Staaten ), die unter dem Pro-tektorat William Greens und einer Reihe anderer amerikanischerGewerkschaftsführer ein paar Jahre vorher gegründet worden war, mitder Aufstellung einer Liste von 125 Flüchtlingen aus der deutschen Arbeiterbewegung, die noch in Frankreich waren. Marie Juchacz undEmil Kirschmann kamen neben anderen Flüchtlingen auf diese Liste.Die Nachricht von den Visa berbreitete sich wie ein Lauffeuer unterden deutschen Flüchtlingen. Marseille wurde das Ziel von politi-schen Flüchtlingen. die nicht zur Arbeiterbewegung gehört hatten, vvon Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern, die über andere Orga-nisationen Visa erhielten. Die Nachricht drang auch in Maries Dorf.
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*) Der German Labour Delegation gehörten an: Albert Grzezinski,der frühere preußische Innenminister, Max Brauer , Altbürgermeistervon Hamburg , Rudolf Katz , heute Vizepräsident des deutschen Bundes-verfassungsgerichtes; Gerhard Seger, damals Redakteur des deutschen sozialdemokratischen Wochenblattes von New York ," Neue Volkszeitung"und füherer Reichstagsabgeordneter% 3B Siegfried Aufhäuser , ehemaligerVorsitzender des" Allgemeinen Deutschen Angestelltenbundes" und auchReichstagsabgeordneter; Hedwig Wachenheim und Alfred Kähler , Prof.an der New School for Social Research.