Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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Vierzehn Tage nach ihrer Ankunft schrieb Marie an Louise Morgen-stern:

" Ich bin jetzt schon volle zwei Wochen hier in New York und ineiner sozusagen eigenen Wohnung, die zwar von fremder Handmöbliert wurde, aber in ihrer Art so erträglich ist, daß ichehrlich sagen kann, daß ich mich wohl fühle. Das macht sehr vielaus, Sie wissen es!- Die Washington Terrace ist eine kleineSackgasse... Die Häuser erinnern mich ein wenig an unsere Kletten-bergsiedlung in Köln , oder an irgend eine andere kleine Siedlungin Germany. Es sind zwei Zimmer und Küche, das zweite Zimmer istsehr klein, die Küche ebenfalls. Aber es geht sehr gut, man kannsich helfen. Von dem größeren Zimmer haben... wir einen Blick aufden Harlem River.

So allmählich komme ich in das Leben der großen Stadt hinein.Ich muß die Subway und andere Verkehrslinien kennenlernen undmir die Straßenbezeichnungen einprägen... muß lernen, das Gedröhneder Subway zu ertragen( es gibt Menschen, die unbeirrt dabei lesenkönnen), und anderes mehr. Sie können mir nachfühlen, wie starkich den Kontrast zwischen hier und Scattergood empfinde. Ich werdewohl etwas müde, das werden andere auch, aber ich fühle mich-dank Dr. Hasse recht wohl und bin froh darüber.

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Über Berufsaussichten kann ich noch gar nichts erzählen, es istmanches in ganz vager, leisester Vorbereitung. Nicht mehr. Ichsehe viele Menschen, darunter wirkliche Freunde.

Daß ich in Chikago wirkliche Freunde zurückließ, wußte ich genauund war dankbar dafür, dankbar meinem Schicksal, das mich immerund überall mit wertvollen Menschen in Berührung brachte. Aberwie groß die Kameradschaft und gute Gesinnung dort für mich war,habe ich erst jetzt erfahren. Das wird meinen Mut, es aufs neuemit dem harten Leben aufzunehmen, stärken..."

Körperlich fühlte sich Marie nicht mehr kräftig genug, um eineHauspflege, wie Hertha Kraus sie anregte, oder die Überwachung einesHeimes zu übernehmen. Auch hatte sie ja eine Hausarbeit, zu derFreundschaft und Pflicht gefühl sie drängten.

Als sie sah, daß es keine bezahlte geistige Arbeit für sie gab,

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