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Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
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155suchte sie geistig zu arbeiten, wenn auch ohne Verdienst. Im ameri­ kanischen Leben konnte sie nicht finden, was sie suchte, es war ihrzu fremd, ihre Sprachkenntnisse zu dürftig. Sie fühlte sich nicht e-lastisch aber auch nicht interessiert genug, die Fremdheit zu über-winden. Ihr Interesse war an die deutschen Ereignisse und die deutsche Zukunft gebunden.

Sie hätte gern bei der German Labour Delegation mitgearbeitet, diegerade jetzt ah einem Programm für die deutsche Zukunft arbeitete,das sie später veröffentlichte. Der German Labour Delegation standin der sozialdemokratischen, in deutscher Sprache erscheinenden" Neuen Volkszeitung", das ihr Mitglied Gerhart Seger redigierte, einwöchentliches Organ und in den deutschen sozialdemokratischenSport- und Kulturorganisationen ein Forum zur Verfügung. Marie hattesich aber aus Gründen, über die sie nie sprach, schon vor ihrerReise nach Amerika der Emigrantengruppe-Neu- Beginnen angeschlossen,vermutlich, weil diese nicht mit dem Parteivorstand zusammenarbeitete,wie die German Labour Delegation das tat. Die German Labour Delegationwollte aus Gründen, die hier keiner Eørörterung bedürfen, mit Mitglie-dern der Gruppe-Neu- Beginnen nicht zusammenarbeiten und nahmMarie Juchacz nicht auf.

So gründete Marie mit einigen Freunden, die sich aus sachlichenoder persönlichen Gründen keiner der bestehenden Emigrantengruppenangeschlossen hatten, ihre eigene kleine Gruppe und fand mit ihrAnschluß beim Workmen's Cirole. Auf Wunsch der Freunde übernahm sieden Vorsitz. Der Workmen's Cirole war eine Arbeiterkranken- undSterbekasse, die im wesentlichen sozialistische jüdische Arbeiter

der Textil- und Bekleidungsindustrie umfaßte*) und dem Jewish Labour

Committee angeschlossen war, aber auch andere Mitglieder zulieẞ.Marie führte dem Workmen's Cirole Mitglieder zu, dieiihm vorher nichterreichbar waren. Seine Verhandlungssprache war in der Regel englischoder jiddisch. Marie organissierte eine deutsche Sprachgruppe.Die Beschäftigung mit Deutschlands Gegenwart und Zukunft war dasBildungsprogramm von Maries Gruppe. Wie an dem Tag in Scattergood, andem die Probleme der Nachkriegszeit erörtert wurden, fühlte sie sich,durch die Möglichkeit ernster Diskussion über diese Probleme, wie von" einem elektrischen Strom" aufgerüttelt. Aus dem Gefühl des anständi-gen Menschen, dem das Wohl seiner Mitmenschen am Herzen liegt, undihrer politischen Tradition gemäß, sprach sie ihren Abscheut gegendas Naziregime und Nazideutschland aus. Ihre Solidarität mit der

deutschen

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