Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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noch nicht helfen, denn sie haben ja selbst nichts....

Wir sind dazu gekommen, eine kleine Hilfsaktion auf die Beine zustellen. In diesen Tagen sind in enger Verbindung mit dem JewishLabour Committee und mit seiner organisatorischen Hilfe die ersten80 Pakete an unsere Freunde abgegangen. Jedes ist 17 Pfund schwer...Ich leite schon seit längerer Zeit als Vorsitzende eine kleinedeutschsprachige Gruppe des Workmen's Circle, eine früher einmalaus jüdischen, meist östlichen Kreisen hervorgegangenen Kranken-und Sterbekasse. Auch wenn wir wissen, dass unsere Hilfe vorerstnur kein und unbedeutend sein kann, ist doch der moralische Wertunserer Haltung ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Wenn Sie uns mit Adressen und Empfehlungen helfen könnten, denKreis zu verbreitern, wäre ich Ihnen sehr dankbar, zumal ja schonjetzt vorauszusehen ist, daß wir nicht bei Frankreich bleibenwerden. Doch darüber später, wenn die Zeit reif ist.

Den Nationalismus, den die" Volkszeitung" hier vertritt, halte ich-auch besonders für die Zukunft gesehen- für verhängnisvoll.Niemand von uns ist das duetsche Schicksal- auch als ganze Nationgesehen- gleichgültig. Wir internationalen Sozialisten sollen esuns dreifach und öfter überlegen, ob wir die nationale deutscheFrage in nächster Zukunft so deutlich in den Vordergrund stellensollen und die schwachen Kräfte einer sich aufrichtenden Arbeiter-bewegung von vornherein damit belasten. Unsere Gedanken und Kräftesollten sofort europäisch und weltpolitisch ausgerichtet werden

Der September kam, und noch immer hatte Marie nichts von ihrer Familiein Deutschland gehört. Dann erhielt sie einen Brief von Fritz Roehl,Elisabeths Sohn. Er war im Sommer aus amerikanischer Kriegsgefangen-schaft nach Deutschland zurückgekehrt und arbeitete in München beider amerikanischen Theaterüberwachungsstelle. Seine amerikanischenVorgesetzten hatten Maries Adresse ausfindig gemacht. Lotte , so

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