schrieb Fritz, sei in Düsseldorf Rechtsanwalt, Paul, dessen Söhnenun 11 und 12 Jahre alt waren, arbeitete als Gutsverwalter in derNähe von Andernach , Emils Bruder August wohnte noch in Oberstein.Er selbst, Fritz, sei auch verheiratet. Nun war auch diese Sorge,die immer hemmend auf Marie gelegen, von ihr genommen.
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Amerikanische Paketsendungen an Deutsche waren damals nicht erlaubt.Aber bald erklärten sich amerkanische Soldaten, die den oder jenenFreund in Deutschland kennen gelernt hatten, bereit, Pakete zu über-mitteln.
So dehnten Marie und ihre Gruppe des Workmens' Circle ihre Hilfe auchauf die Gesinnungsgenossen in Deutschland aus, auf die Gesinnungsge-nossen und Verfemten. Für die Pakete musste Geld gesammelt und einge-kauft werden. Maries Tätigkeit wuchs.
Die Ausweitung der Hilfe von Mensch zu Mensch, von Organisation zuOrganisation schwebte ihre von Anfang an vor. Aber ihre Gruppe imWorkmens' Circle war zu klein für solche Beginnen. Noch erlaubten auchdie amerikanischen Bestimmungen öffentliche Sammlungen für Deutschland nicht. Aber Marie hatte keine Ruhe. Sie schrieb an Regina Kaegi vomschweizerischen Arbeiterhilfswerk, um sie zu fragen, ob sich ihreGruppe dem geplanten Hilfswerk der Schweizer anschliessen dürfe.
Auch die Mitglieder der deutschen sozialdemokratischen Vereine inUSA , Turner und Sänger, und der Arbeiterkrankenkasse hatten den Wunsch,den Gesinnungsgenossen in Deutschland zu helfen. Geld sammeln konntenauch sie nur im eigenen Kreis und nicht öffentlich. Sie taten es undübernahmen ausserdem gegen eine Gebühr die Zusammenstellung und Ver-sendung von Paketen, die Vereinsmitglieder persönlich an Verwandete undFreunde nach Deutschland senden wollten. Die so zusammenkommendenGelder benutzten sie für Pakete für diejenigen, die unter demNazisystem gelitten hatten. Sie liessen sich mit ihrer Hilfsaktionin Yorkville, dem deutschen Viertel New Yorks, nieder und nannten sieArbeiterwohlfahrt.
Die Gründung und der Name elektrisierten Marie. Die neue Hilfsgruppe,der auch die German Labour Delegation angehörte, war viel grösserund leistungsfähiger als ihre kleine im Workmens' Circle. Aber die neueHilfsgruppe würde die organisatorischen und wohlfahrtspflegerischenKenntnisse und Erfahrungen einer Marie Juchacz brauchen und von ihnenprofitieren können. Marie musste den Bann der German Labour Delegation,der sie von dieser Arbeit ausschlosse brechen.
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