Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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sammeln und der sie ihre Spenden zur Verteilung an die von ihrbestimmten Empfänger in Deutschland übergeben konnte. Marie passtesich bei ihren Sammlungen teilweise amerikanischen Methoden an undveranstaltete Bazare und Konzerte, um Geld einzubringen. Sie wandtesich an die ihr bekannten Stellen der Arbeiterwohlfahrt in Deutsch­ land und bat um Bilder und Berichte von der Not der Naziopfer undArbeiterschaft im allgemeinen. Über die Eindrücke, die sie so überdie Not in Deutschland gewann, sprach sie vor den deutschen Arbeiter-organisationen in New York und schrieb sie auch in der" NeuenVolkszeitung", um Ortsgruppen außerhalb New Yorks zu erreichen." Wir haben die Zähigkeit mit der diese Frau arbeitete und dieFülle der Arbeit, die sie in ihrem Alter noch leistete, bewundert",berichtete Kurt Schumann , der damals Vorstandsmitglied der NewYorker Arbeiterwohlfahrt war, einem Besucher aus Deutschland ." Ohne sie hätte unsere Arbeiterwohlfahrt wenig bedeutet, durchsie konnten wir vielen Naziopfern helfen. So haben wir sie 1947zu unserer Vizepräsidentin und 1948 zu unserer Präsidentin gemacht."Und dann kam das alte Lied:" Persönlich aber blieb sie ver-schlossen. Von ihr selbst kann ich Ihnen nichts erzählen. Eineengere Freundschaft mit ihr entwickelte sich nicht."

Am 19. Juni 1947 kam der erste Brief von Lot te Lemke, die ausOstpreussen geflohen war und, nachdem sie in einer Berliner Wohl-fahrtsverwaltung gearbeitet hatte, im März 1946 nach Hannover gegangen war, um dort die Leitung der Arbeiterwohlfahrt für dieWestzonen zu übernehmen und sie, wo nötig, wieder zu erwecken.Sie berichtete von der Ausdehnung der neuen Arbeiterwohlfahrt," denn es ist ja ihre Organisation", und später auch von vielenfrüheren Mitarbeitern, die sie wiedergesehen hatte und die zumTeil wieder mitarbeiteten. Sie erzählte auch von den vielen Be-zirks- und Ortsausschüssen, die sich neue im Lande bildeten.Am 21. Februar 1947 schrieb Lotte Lemke , daß Regina Kaegi aus derSchweiz in Deutschland war, und daß sie während dieses Besuches oftgedacht habe:" Wie würde es sein, wenn Marie Juchacz einmal zu unskäme... Läßt sich das nicht einrichten? Ich glaube, unsere Arbeitwürde einen schönen Aufschwung bekommen und viele der alten undneuen Mitarbeiter würden glücklich sein, Dich bei uns zu haben."Marie schob den Entschluß auf. Am 21. März schrieb sie Lotte Lemke :

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