Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
Keine Angabe
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" Natürlich sieht es mich, aber- es ist wirklich keine Überheb-lichkeit, wenn ich für den Augenblick bei näherer Prüfung zu demSchluß komme: Im gegenwärtigen Zeitpunkt fühle ich mich in EuremInteresse drüben!- so unabkömmlich, daß ich nicht einmal dieEnergie darauf verwenden möchte, diesen Gedanken zu verfolgen odergar Vorbereitungen zu treffen, deren Resultat dann in absehbarerZeit solche Reise wäre".

Am 17. April konnte Lotte Lemke Marie Juchacz mitteilen, daß durchden Einfluß, den Marie in Amerika ausgeübt hatte, die Verteilungder nicht für eine bestimmte Organisation, sondern zur allgemeinenVerwendung verschifften Gaben, sich für die Arbeiterwohlfahrtgünstiger gestaltet habe.

" Ich habe das sehr starke Bedürfnis," so schrieb Lotte Lemke am25. Juni," mich mit Dir über viele Probleme auszusprechen, und ichleide darunter, daß das nicht sein kann. Es gibt hier nicht vieleMenschen, die mit unserer Sache wirklich so ganz verwachsen sindDie rein organisatorischen Fragen sind gut in Fluß gekommen undwerden sich auch weiterhin zufriedenstellend entwickeln. Was michbewegt und mir eigentlich niemals Ruhe läßt, ist der innere Ausbau,das Ehos, der geistige Gehalt der" rbeiterwohlfahrtrbeiterwohlfahrt.... Ich meine,daß alles darauf ankommen müsse, aus der Arbeiterwohlfahrt( inDeutschland ) mehr zu machen als nur einen Apparat, der Hilfe ver-mittelt. Wir müssen in unserer Arbeit eine überall spürbare, leben-dige Ehtik entwickeln.... Darum brauchen wir Dich. Es hat kangegedauert, bis ich mich entschließen konnte, es Dir so unumwundenzu schreiben... Aber ich fühle mich verpflichtet, weil ich fest da-ran glaube, daß Du einen starken Einfluß auf die künftige innereEntwicklung der Organisation ausüben könntest....

Marie ließ Zeit vergehen, ehe sie am 9. Oktober 1947 antwortete:" Du wirst Dir denken können, daß es mich hinüberzieht, aus zwieiGründen: Es ist die Bewegung, die ein Stück meines Seins ist undmein ganzes Denken ausfüllt. Dann möchte ich natürlich auch gernmeine Kinder und meine Enkelkinder sehen, so lange das möglich ist,denn ein Toter sieht ja nichts mehr, und ich bin jetzt immerhin68 Jahre alt.....

Für Eils Pflege wäre während meiner Abwesenheit gesorgt. Für immermöchte ich natürlich nicht wegbleiben, viel eher will ich einenvorübergehenden Aufenthalt mitbenutzen, um eine spätere Übersiedlungvorzubereiten..."

Zur Tätigkeit, die Marie anderen nicht anvertrauen konnte.Wegen