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ihrer Zeit Ämter in der Partei und Arbeiterwohlfahrt bekleidet hatten,festlich begrüßt wurde.
Sie wollte ihre neue Tätigkeit auf einer Vorstandskonferenz desBezirks Franken der Arbeiterwohlfahrt am 2. April beginnen." Irgendwieund irgendwann muß ja der Anfang gemacht werden", schrieb sie anLotte Lemke ," aber gleich mit einem grundlegenden Referat? Ich habedas Gefühl, erst einmal ganz warm werden zu müssen. Das kommt ausmeinem Gefühl, ich kann es nicht begründen." Bald darauf erklärte siesich mit einer kurzen Ansprache in Nürnberg und Hamburg einverstanden." Mit Referaten möchte ich es doch beim jetzigen Zustand sein lassen.Meine Hemmungen sind eher noch stärker geworden
Sie holte Lotte Lemke in Hannover ab und fuhr mit ihr nach Westerland auf Sylt, wo sie die Schwesternschule des Hauptausschusses fürArbeiterwohlfahrt und das Nordsee- Sanatorium des Hamburger Bezirks-ausschusses besichtigte. Von dort fuhren die beiden zur Hamburger Bezirkskonferenz der Arbeiterwohlfahrt.
Marie hatte bisher nur wenig Zeit zum Studium der neuen Arbeiterwohl-fahrt gehabt, aber während dieser Zeit doch gelernt, daß diese sichinzwischen zu einer starken Organisationé entwickelt hatte. Siehatte z.T. das Mitgliedersystem eingeführt und 300.000 zahlende Mit-glieder bzw. Förderer. Die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter waraber wesentlich geringer als früher, 50.000 im Jahre 1949 gegen 135.000im Jahre 1931. Das war ein großer Unterschied, selbst wenn Marie inRechnung stellte, daß die Bevölkerung der Bundesrepublik kleiner warals die der Weimarer Republik . Dagegen schien die Zahl der Beratungs-stellen und anderen halboffenen Einrichtungen, wie der Nähstubenund auch die Zahl der Heime, wesentlich größer zu sein als früher.Wie war das wohl möglich? Welche Ursachen hatte die Wandlung?Welche Folgen? Sie hörte immer wieder von den Ostflüchtlingen, dieeinen großen Teil der geleisteten Arbeit in Anspruch zu nehmen schienen,und konnte sich doch kein Bild machen von deren Nöten und dem Grad ihrerEingliederung. In der Ausbildungsarbeit für ehrenamtliche Mitarbeiterlegte der Zauptausschuß besonderen Wert auf die Vorbereitung für be-stimmte Aufgaben, wie z. B. Beratungsstellen und KindererholungsfürsorgeAuch psychologisch- pädagogische Kurse wurden abgehalten. Diese fach-liche Schulung schien die Erörterung der wohlfahrtspolitischen Zieleder Arbeiterwohlfahrt in den Hintergrund zu drängen. Die Ausbildungs-arbeit in den Bezirken widmete sich ebenfalls stärker als früher derErziehung zu spezialisierter Arbeit.
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