- 169Arbeiterwohlfahrt durchdenken zu können. Sie hielt das Bedürfnis nachRuhe für eine Alterserscheinung und deutete Lotte Lemke an, daß siesich zurückziehen müsse. Lotte machte sie auf die großen anstrengungenaufmerksam, denen sie sich durch ihre Reisen und Ansprachen ausgesetzthatte, meinte aber, Maries temperamentvoller Brief deute keineswegsauf Müdigkeit.
Im Oktober 1949 ging sie nach Solingen , um an der Dreissig jahrfeierder Gründung der Arbeiterwohlfahrt teilzunehmen.
Ihre bisherigen Betrachtungen hatten ihr gezeigt, daß sie aufdem richtigen Wege war, als sie plante, sich in ihren Ansprachen aufdas zu beschränken, was ihrer Meinung nach aus der Vergangenheitin die Zukunft hinübergerettet werden mußte. So schrieb sie am Schlußihres Artikels" Werden und Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt"der in der Broschüre erschien, die der Hauptausschuß zur Gründungs-feier von 1949 herausgab: In" der Lösung gestellter Aufgaben, inder theoretischen und praktischen Schulung aller Mitarbeiter siehtdie Arbeiterwohlfahrt eine wohlfahrtspolitische, eine richtungsuchen-de und richtungsweise Aufgabe".
Der freudige Empfang, der ihr in Solingen zuteil wurde, bewiesihr, daß sie die Aufgabe erfüllen konnte, die sie sich selbst ge-stellte hatt: Die Kontinuität der Arbeiterwohlfahrt zu verkörpern.Ihre Rede leitete die Feier ein. Sie sah kaum älter aus als früher.Ihre Stimme hatte den alten Klang, die alte Tragweite. Es gelang ihr,das Wesen und Streben der alten Arbeiterwohlfahrt klar herauszu-arbeiten. Ihrem Vorsatz getreu, mischte sie sich nicht in Gegenwarts-fragen ein. Sie verglich auch nicht. Einen Rat aber gab sie, derdas ergänzte, was sie in ihrem Vorwort zur Jubiläumsschriftgeschrieben: Die wiedererstandene Arbeiterwohlfahrt solle sichbewußt bleiben, daß sie ein Glied der großen Arbeiterbewegung sei.Da Robert Görlinger als Vorsitzender auf seinen eigenen Wunschhin ausschied, wurde Heinrich Albertz , der hannoveranische Flücht-lingsminister zum Vorsitzenden gewählt. Marie Juchacz wurde Ehren-vorsitzende Das war der Hatt, den sie sich gewünscht hatte.Als Ehrenvorsitzende hatte sie ihren Sitz im Hauptausschuß, war siewieder ein innerhalb der Arbeiterwohlfahrt wirkendes Mitgliedund brauchte dennoch nicht
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