Akte 
Manuskript "Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt"
Entstehung
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verstehen", solange sie lebte." Ich will nicht als Ruine weiterleben",schrieb sie. Ihre Mittelsamkeit, ihr Bedürfnis, sich an bestimmte Menschenanzulehnen, waren die ersten Vorboten des Alterns. Sie schrieb viel anLotte Lemke und Louise Schroeder , aber auch nach Amerika an Louise Morgenstern und Martha Eva Parker. Sie wollte Lotte Lemke viel sehen und alles,was sie beschäftigte, mit ihr besprechen.

" Manches macht mir das Altern deutlich", schrieb sie an Lotte Lemke .

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" Das Interesse an einzelnen Menschen hat stark nachgelassen. Nur einekleine Zahl von denen, mit denen mich einst das gleiche Denken und Fühlenverbunden, stehen klar vor mir und ich fühle mich ihnen mehr oder weni-ger stark verbunden. Gefühl und Gedächtnis weigern sich einfach, älterevergessene Freundschaften und Bekanntschaften wieder lebendig und gegen-wärtig zu machen, oder gar neue Bindungen einzugehen. So stark ich nochim Sachlichen wurzele und ständig um neue Erkenntnisse und um dasErfassen der zeitlichen Strömungen ringe, so wenig sind mir doch dieMenschen im einzelnen wichtig". Auch früher hatte sie Beziehungen zuanderen Menschen nur schwer gefunden und selten gepflegt". Nun, da ihrAlter ihr Leben einschränkte, wurde sie sich der alten Schwierigkeitendeutlicher bewußt. Ein paar Menschen brauche sie, sagte sie Lotte Lemke und bedeutete ihr, daß sie, Lotte, dazu behöre. Einst waren es Elisabethund Emil Kirschmann .

Zunehmend zog sie es vor, zu Hause zu bleiben, statt im Lande umherzu-ziehen. Zur Ordnung ihrer Gedanken, die ihr jetzt so wichtig erschien,gehörte auch die Arbeit an dem Buch, das sie plante. Manchmal, wennsie" um das Erfassen der zeitlichen Strömungen rang", fürchtete sie sichvor den Resten der Nazibewegung, die sie vorgefunden, dann wieder sahsie eine starke Gegenbewegung diese Reste überwinden.Während dieser Jahre verdichtete sich die Erkenntnis, daß mit den altenFormen deren alter Inhalt nicht wieder unverändert auferstanden war.An Louise Morgensterh schrieb sie schon 1950 von der" neuen und anders-artigen Problematik unseres Gesamtlebens" das" unsere" bezog sich aufDeutschland . Und später, 1952, an Martha Eva Parker:" Ich glaube, daß essehr schwer ist, von außen die herrschende Mentalität ganz zu verstehen.Wir, die wir lange Zeit fort waren, und viele von denen, die sich hierim Winkel verstecken mußten, verstehen sie auch jetzt noch nicht."Als Hedwig Wachenheim sie einmal um diese Zeit in Düsseldorf besuchte,sagte sie zu Marie:" Ich freue mich, Dich allein zu sprechen. Wir beidehaben etwas gemeinsam, was Dich mit Deinen anderen früheren Mitarbeiternnicht verbindet: Wir haben beide lange in Amerika gelebt. Ist hier inDeutschland nicht alles anders als früher? Vor 1933 wußte ich genau, wasich politisch wollte, hatte ich Ideen über das, was die Arbeiterwohlfahrttun könnte und sollte. Heute zweifle ich, ob meine Gedanken noch hierherpassen. Auch habe ich zu viel von der Welt draußen aufgenommen, um michnoch ganz auf Deutschland zu

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