14. August 1957.
Liebe Käthe,
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soeben komme ich von meiner zweiten Fahrt aus Bonn zurück. Ichmusste über Hannover fahren, um mit dem Verleger der Biographiewegen der Unkosten zu reden. Das Ganze ist für mich eine ziem-liche finanzielle Quälerei. Unter diesen Umständen sehe ich auchkeine Möglichkeit, in absehbarer Zeit nach Norderney zu kommen.Dank der tatkräftigen Mithilfe von Herta Gotthelf habe ich jetztden letzten lebenden Bruder von Marie, den 85 Jahre alten OttoGohlke im Ostsektor Berlins ausfindig gemacht, und einige seinerKinder. Ich muss also in der nächsten Zeit unbedingt zu Onkel Ottofahren, der zwar sehr krank war, aber sich wieder so weit erholthat, dass er mir aus Maries Jugend alles das erzählen kann, was ichfür die Biographie sehr, sehr wichtig halte, denn wir alle wissenviel zu wenig davon. Bei dieser Gelegenheit sitze ich dann nocheinmal mit Hans Hirschfeld zusammen, der mir versprochen hatte, ei-nige Dinge mit Notizen festzuhalten. Diese Hirschfeld- Unterlagenmüssten wir beide, Du und ich, dann einmal gemeinsam durchgehen, da-mit Du von Dir aus noch die bestimmt vorhandenen Lücken schliessenund ergänzende Dinge sagen kannst. Können wir das nicht in München machen? Du kannst bei mir wohnen, wir werden in der kleinen, abernetten Münchener Wohnung schon miteinander auskommen. Ausserdem kannstDu etwas Urlaub gebrauchen, musst einmal etwas anderes sehen, und dawäre München gerade das Richtige. Ausserdem kann es nichts schaden,wenn wir zwei uns mal wieder zusammenfinden. Als Zeit käme nach mei-ner Meinung ab Mitte September in Frage, denn ab 1. Oktober will ichununterbrochen an der Biographie schreiben, und dazu brauche ich min-destens sechs Monate.- Wenn Du in München bist, können wir auch ein-mal zu Maria nach Naila fahren, wo Du Dir die Schule ansiehst.
Schreibe jetzt nicht, dass es nicht geht. Ich habe bereits heute anLotte Lemke geschrieben, dass Du nach München kommen musst. Und derSpätsommer und Herbst sind hier sehr reizvoll.
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Mich hatte es inzwischen mal wieder erwischt, mit böser Angina, Mandel-Operation( die nicht ganz einfach war), Polyarthritis Rheumatica mit al-len unangenehmen Begleiterscheinungen usw.,- aber das liegt hintermir.
Und von dem fürstlichen Schriftsteller- Honorar bezahle ich dann end-lich bei Dir meine Schulden!
Lass bald von Dir hören, Käthe!
Herzlichst!
Dein