Akte 
Korrespondenz: Fritzmichael Röhl
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Herrn

Rosenbach

Verlag nach J.H.W.Dietz GmbH.

Georgstrasse 52

Hannover

16. Februar 1957.

Betrifft: Erinnerungsbuch Marie Juchacz .

Sehr geehrter Herr Rosenbach,

vielen Dank für Ihren Brief vom 15. Februar. Frau Lotte Lemke hatte mich bereits von ihrer Unterredung mit Herrn Schmidt- Küsterkurz unterrichtet und mir auch angekündigt, dass Sie selbst in derBuch- Angelegenheit Verbindung mit mir aufnehmen würden.

Kurz vor Weihnachten holte ichmir aus Bonn bei der AW das bisherroh zusammengetragene Material nach München , das inzwischen von mirschon sehr gründlich durchgesehen wurde. Es ist natürlich sehr lük-kenhaft, und aus der Klärung der Frage, wie und mit welchen( historischen und partei- und ganz allgemein- geschichtlichen) Unter-lagen ergänzt werden soll, ergibt sich wahrscheinlich zwangsläufigdann auch die Form, in die dieses Erinnerungsbuch gegossen werdensoll.

So und so ist noch sehr viel Arbeit zu leisten, wobei mir aber sowohldie AW als auch die SPD mit ihren Bibliotheken zur Verfügung stehen.Ausserdem werden wahrscheinlich eine Reihe von Menschen angeschriebenund z.gr.T. wohl auch besucht werden müssen, Menschen, die Marie Juchacz von früheren Situationen her gut kennen, und Menschen, diesehr viel mit ihr zusammen waren und zusammen arbeiteten. Ausserdemwerden aus Staatsarchiven Dokumente zusammengetragen werden bzw.herauskopiert werden müssen.

Ich habe insofern eine klare Vorstellung, als sich am Leben von MarieBuchacz alles" antragen" lässt, was mit der Entwicklung der Arbeiter-bewegung, der sozialistischen Bewegung, der Wohlfahrtsbewegung undder allgemeinen geschichtlich- politischen Strömungen zusammenhängt.In Briefen, Dokumenten, Berichten, Äussenngen anderer allein dürftesich dieses Erinnerungsbuch nicht erschöpfen. Um es lebendig und überAW- und Parteikreise hinaus interessant zu machen, bedarf es derschriftstellerischen Schmiede- Arbeit, um diese Dinge so zusammenzu-schweissen, dass nicht nur das Lebensbild dieser Frau entsteht, son-dern das Bild einer Zeitepoche, die von 1879 bis 1956 reicnt.Für Sie als Verleger ist- nachdem das Problem einer breiten Absatz-Garantie geklärt ist in erster Linie die Kalkulation wichtig: wiestark das Buch werden soll, mit wievielen Abbildungen zu rechnen ist,welche Einband- und Umschlaggestaltung gewählt wird, und an welcheAuflage gedacht wird. Eine solche Vor- Kalkulation könnte nach meinerMeinung unabhängig von der zu wählenden stilistischen Form des Buches