Akte 
Korrespondenz: Fritzmichael Röhl
Entstehung
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Sonnabend, den 13. April 1946

Die Arbeiter- Wohlfahrt-

NEUE VOLKSZEITUNG

einst und jetzt

Die organisatorische Voraussetzung für die Ausübung praktischer Solidarität

Von MARIE JUCHACZ

besteht wieder

Die Gründerin und langjährige Vorsitzende der deut­ schen Arbeiterwohlfahrt, frühere sozialdemokratischeReichstagsabgeordnete Marie Juchacz hat vor der sozial-demokratischen Arbeitsgemeinschaft einen Vortrag ge-halten, den wir, mit geringen Kürzungen, um seiner Be-deutung willen, nachstehend wiedergeben.

Redaktion der" Neuen Volkszeitung."

Manchen von uns ist die deutsche Not des ersten Welt-krieges noch in lebendiger Erinnerung. Wir haben sie aucham eigenen Leibe studieren müssen. Sie begann bald nachAusbruch des Krieges und setzte sich fort durch die Infla-tionsperiode bis Ende 1923. Auch damals hatte Deutsch­ land in einem unseligen Kriege alles hergegeben, was inseinem Volke an physischer, mo-ralischer und wirtschaftlicherKraft vorhanden gewesen war.

-

Wird nicht alles wieder leben-dig vor den Augen derer, die dasschon einmal erlebten? Ich seheheute noch die Elendsbilder derKinder, halbverhungert, mit dün-nen Gliedern und dicken Gelen-ken, die ganz abnorm aussahen,weil die Kinderkörper keine Run-dungen hatten. Wir haben siephotographiert schrecklichaber wir mussten es tun, um ih-nen und den anderen zu helfen.

-

Ich will nicht unvergleichbaresvergleichen. Aber wir könnenuns vorstellen, dass es jetzt vielschlimmer ist als damals. Nocheines müssen wir uns ebenfallsvorstellen: Kinder, die bei Aus-bruch des Krieges fünf Jahre altwaren, die die ganze Ernährungs-not als Kind miterlebten, waren1939 ganze 30 Jahre alt. Sie hat-ten im Kindesalter und nun inder Zeit der Reife die Entbehrun-gen des Krieges durchzumachen,und nun die Strapazen und dieruchlose Hitlerei dazu, mit KZund Verfolgungen.

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ten Hitler und seine Bande inpuncto Ernährung besser vorge-sorft. Man hatte erfahren, wiewichtig die Ernährungsfrage füreinen Krieg ist. Auch der deut-sche Generalstab wusste es. In-zwischen war auch die Konservie-rungstechnik für Lebensmittelfortgeschritten. Und man wusste,wie man ein ganzes Volk lang-sam an" weniger Essen" gewöh-nen konnte( verschleierte Ratio-nierung durch Verknappung undKundenlisten).sche und psychiche Aufrüstung,und es war praktisch, sehr, sehrpraktisch, und möglich durch eineskrupellose Diktatur.

Das war physi-

Ein Brunnen schöpft sich beizu starker Beanspruchung aus.Für die Berechnungen der Nazisdauerte

der Krieg zu lange.Schliesslich wurden sie auch nochaus den ergiebigen Ländern ver-trieben. Und die Luftwaffemachte nicht Halt vor den wert-vollen Lebensmittelspeichern.Und wenn bis zum Volkssturm al-les aufgeboten ist, dann gibt eskaum noch eineProduktion von Lebensmitteln undwichtigen Gebrauchsgütern.

nennenswerte

In einer Berliner Denkschrift( sie ist aus ganz zuverlässigerHand) wird bestätigt, dass durchdas Weiterführen des Krieges bisin das Herz Berlins hinein gewal-tige Vorräte von Lebensmittelnzerstört wurden. Dazu erschwer-ten unmittelbar nach dem Nieder-bruch die katastrophale Zerstö-rung der Verkehrswege das Her-anbringen von Lebensmitteln. Da-durch sei die allgemeine Ernäh-rung noch weiter zurückgegan-gen. Durch die Beschäftigungder unterernährten, abgemgaer-ten Frauen mit Wiederherstel-lung zerstörter Wohnungen, Her-stellung der Untergrund- undStrassenbahnen, Aufräumung von( al-

Strassen-" Enttrümmerung"

les bei ungenügender Ernährung)sei, besonders unter den Frauen,der Gesundheitszustand katastro-phal gesunken. Nach der Denk-schrift erhalten die nicht in einemBerufe stehenden PersonenHausfrauen( mit zwei Kindern),Arbeitslose, Kranke, Schwache,

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*

Wie man daraus sieht, es wirdaber noch einmal betont, fehlte

es

an kalorienhaltigen Lebens-mitteln wie Milch, Fett, Fleich,Zucker, Hülsenfrüchten, Nährmit-teln wie Reis, Gries, Haferpräpa-rate, Es fehlt aber auch an vita-minhaltigen Nahrungsmitteln, anObst und Gemüsen.

Man möchte Schulspeisungenmachen( diese Klagen kommenaus dem ganzen Reich), es sindaber dafür keine besonderen Mittel vorhanden. Man müsste denKindern die Marken dafür abneh-men. Aber die Mütter schreibenden Lehrern ohnehin:" ich kannmein Kind nicht in die Schuleschicken, ich kann ihm kein StückBrot und auch sonst nichts mit-geben". Das ist neben den fehlen-den Schuhen die häufigste Klageder Mütter.

Das Gewicht der Frauen mitt-lerer Grösse ist weit unter 50Kilo gesunken, manche Frauenzwischen 25 und 40 wiegen 30 bis40 Kilo, zahlreiche Totgeburtensind die Folge.

Aehnliches haben wir gehörtaus Dortmund und Essen, ausKöln und Düsseldorf , aus Mainz und Frankfurt . Und es sind nichtnur die Grosstädte, in der Pro-vinz ist es vielfach noch schlim-mer, sind die Rationen noch klei-ner, die Arbeit noch schwerer.

Aerzte sprechen von schlim-men Mangelerkrankungen wieSkrofulose, Furunkulose, bösar-tigen Vereiterungen. Sie hätten,gegenüber normaler Zeit, daszwanzigfache an Kokkenerkran-kungen zu behandeln. Oft wäreVerlust von Gliedern zu beklagen.Medikamente und Heilnahrungseien in den Apotheken zusammen-geschmolzen wie Schnee an derSonne. Tröstlich ist es dabei noch,dass nach den Berichten die zu-erst gefürchteten Seuchen aufthren Herd beschränkt bleibenkonnten, aber die Gefahr warriesengross, auch für die Besat-zungen. Aber mit dem Mangelauf pharmazeutischem Gebiet be-schäftigt man sich noch immerernstlich, wie aus Berichtendeutlich hervorgeht.

In einem Berliner Säug-lingsheim( es hat nur 60 Bet-ten) starben in 5 Monaten 13Kinder allein an tuberkulöserGenickstarre!

*

Das Elend der Ostflüchtlingeüberschattet alles, sagte uns einBerichterstatter, der es mit eige-nen Augen gesehen hat. Eine Ge-nossin aus dem Ruhrgebiet schreibt uns:Wochen- undmonatelang unterwegs, notdürf-tig bekleidet, völlig unterernährt,strömen sie täglich in unser Ge-

biet, von uns Hilfe und Obdachersehnend. Die Familien ha-ben sich auf dem Transport zumTeil aufgelöst. Alte Leute undKinder sind den Strapazen unter-legen. Vor den übrigen Opfernstehen wir oft ratlos da.'

Wir lesen: Das muss man ge-sehen haben, am es zu glauben,Essen, eine Stadt, die 4 MillionenMenschen beherbergte, ist nahe-zu vollständigviele, vieleQuadratmeilen in Trümmern.Dreissig Jahre sollen nach fach-männischer Schätzung nötig sein,um nur die Tümmer wegzuräu-men. Aber 365,000 Menschen le-ben dort, wenn man diese Art derExistenz Leben nennen kann.Kälte und Regen dringen in dieHöhlen- Schlupfwinkel.EineFreundin, die ihre Verwandtendort gesucht und gefunden hat,schreibt:" Essen ist zu 95 Pro-zent zerstört. Die Menschen woh-nen dicht gedrängt und abendsstrahlt aus jedem Fenster der be-schädigten, aber stehen gebliebe-ner Häuser das Licht, jeder Raumist; eine Unterkunft für viele. Siehausen auch in Trümmern undErdlöchern. Ich sah ein Ofenrohr,rauchend aus einem Steinhaufenragen. Ich stieg immer wiederum den Trümmerhaufen herum,um den Eingang zu finden, ichhabe ihn nicht gefunden.

Aber aus dem Bericht der Ar-beiter Wohlfahrt Essens gehteine so unbeugsame Energie undein so grosser Wille zum morali-schen Wiederaufbau hervor, dassman sich beugen muss vor sovielgrosser Menschlichkeit.

-

- von

Alarmierend waren vor weni-gen Tagen die Nachrichten ausHamburg . Diese lebendige Stadt,die nach Augenzeugeneinem unbeugsamen Wiederauf-bauwillen und von starker mora-lischer Kraft beseelt war, leidetso grossen Hunger, dass es amt-lich zugegeben werden muss,dass sich dort" die ersten Anzei-chen von' Starvation ' zeigen".Wir wissen, dass die Arbeiter inden staatlichen Maschinenfa-briken zusammenbrachen, dassSelbstmorde aus Verzweiflungpassierten, dass Lebensmittel-geschäfte, Bäckereien geplündertwurden, dass die Schaufenster mitBrettern verschalt werden muss-ten( auf behördliche Anordnung)und dass Männer, Frauen und Ju-gendliche an den Plünderungenbeteiligt waren. Wer denkt nichtan die Drei- Groschen- Oper:" Erstkommt das Fressen und dann dieMoral"?

Es ist uns bekannt, dass eineWelthungersnot da ist. PräsidentTruman hat recht, wenn er meint,dass seine" Emergency"-Konfe-renz die wichtigste sei, die erwährend seiner Amtszeit abgehal-ten habe. Die Vereinigten Staa-ten werden von der Konferenz,ganz Amerika von den HerrenHoover, Direktor Lehman, demneuen Direktor der UNNRA , undanderen

aufgefordert, Weizen,

Fett und andere Dinge einzuspa-ren. Ich hoffe, dass dieser Appellden vollsten Erfolg hat, ich hoffees für die hungernde Welt und fürDeutschland .

Niemand aber kann uns ver-denken, wenn wir täglich und mitSchmerzen an unsere hungerndenFreunde in Deutschland denkenund an ihre Kinder. Sie, dieunter der Hitler - Zeit so unsäglich

gelitten haben, verdienen nicht,dass sie Festigkeit ihrer Gesin-nung mit Verzweiflung an derganzen Menschheit und mit Un-tergang bezahlen sollen.

Wie entstand die Arbeiter-Wohlfahrt in Deutschland ? Dieersten Liebesgabensendungen ausder USA , waren im Jahre 1919 an-gemeldet. Die Regierung der Re­ publik rief einen beratenden Aus-schuss zusammen. Wie sollte mandas Erwartete am besten, amwirksamsten, am gerechtestenverteilen? Es waren dort vertre-ten: die Karitas, die evangeli-sche Kirche, der Städtetag, derLandes-Landgemeindetag, dieregierungen, Vertreter verschie-dner Reichsämter. In welcherEigenschaft war ich eigentlichda? Man wollte wohl in einerbreiten Basis den demokratischenCharakter zum Ausdruck brin-gen, so war ich als Einzelpersön-lichkeit geladen.

Unter den Regierungsmännernwaren auch Sozialdemokraten.Ich wusste nicht, ob es die ersteVersammlung dieser Art sei. Wirsollten uns nur äussern über dieArt der Verteilung. Die Vertreterder Kirchen plädierten für Ver-teilung durch die privaten( kirch-lichen) Wohlfahrtsorganisationen.Ich sprach für die Verteilungdurch die Gemeinden, die, soschien mir, am besten in der Lagesein würden, jeden Bedürftigenzu erfassen. Ich bekam aber nurvon ganz wenigen Beamten etwasBeistand. Andere, die ebenfalls,wie sie sagten, die Verteilungdurch die kirchlichen Organisatio-nen nicht gern sahen, machtenmich( privat) auf die Rückstän-digkeit der alten Armenpflegeaufmerksam. Dann, als ich denSieg für die private Wohlfahrts-pflege kommen sah, erhob ich fürdie von mir vertretene Kategorie( die organisierte Arbeiterschaft)ebenfalls Anspruch. Dieser An-spruch wurde von den kirchlichenVertretern sehr heftig bestritten.Man dürfe die politischen Parteiennicht mit einer solchen Aufgabebelasten. Uebrigens, was der So-zialdemokratie recht sei, sei allenanderen Parteien billig, das gingedann ins Uferlose, das könne ichunmöglich wollen.

Ich erklärte den Herren, sieseien im Irrtum, die Arbeiter-schaft hätte in ihrer Mitte wohleiner Organisation kamerad-.schaftlicher Hilfe, es käme nurdarauf an,diese Organisation

mit einer solchen Aufgabe zu be-trauen. Ich würde ihnen in ganzkurzer Zeit diese Tatsache be-weisen.

Jetzt stand das Schwerste be-vor. Ich musste die massgeben-den

Instanzen gewinnen, danneine Anzahl Persönlichkeiten, diein der Durchführung mit mir ge-hen sollten. Nach der Bildungder Spitze musste die Organisa-tion in der breiten Arbeiterbewe-gung geschaffen werden. Es gabvorübergehend Fehlschläge. DerAusschuss für Arbeiter- Wohl-fahrt war angemeldet, aber meineHelfer und ich hatten immer nochdamit zu tun, die Genossen mitder Idee vertraut zu machen. Wirhaben mehr geschafft, als wir da-mals glaubten. Die Zeit, in der essich nur um die Verteilung vonKleidern und Lebensmitteln han-delte, ging vorüber, die AW aberblieb und erfüllte Aufgaben, diedie Zeit ihr stellte. Sie veranstal-tete Kurse zur Ausblidung vonFürsorgepersonal, gründete spä-ter eine Schule, durch die die Teil-nehmer staatlich anerkannte Für-sorger wurden. Sie gab eine hochwertige Zeitschrift" Die Arbeiter-Wohlfahrt" heraus. Sie richtete

England ohne Europa

" Und siehe da, es war sehr schlecht"

Von Dr. HANS von HENTIG, Gold Hill, Colorado In einem schottischen Märchen:" Das Mädchen und dertote Mann", ziehen drei Töchter aus, das Glück zu suchen.Sie werden von der Mutter gefragt, ob sie ein grosses StückKuchen mit ihrem Fluche oder ein kleines mit ihrem Segenhaben wollen. Nur die Jüngste will den kleinen Bissen undden Segen haben, und sie ist es, der alles gut gelingt. Aberdas ist der romantische Realis-mus vergangener märchenhafterZeiten. Nur in der Politik sehenwir bisweilen, dass sich ein Landfür ein kleines Stück Kuchen miteinem dicken Fluche darauf ent-scheidet. Was früher Fluch war,nennen wir heute Konsequenzen.

England hat viele kontinentaleFeinde gehabt: Frankreich durchviele Jahrhunderte, Spanien , Hol­ land , schliesslich Deutschland .Nach den Napoleonischen Krie-gen drang russischer Einfluss inWesteuropa und im Mittelmeer vor; er wurde im Krimkrieg ge-brochen. Dem Ausdehnungsdrangdes Zarismus am Pazifik gebotein Verbündeter, Japan , Einhalt.Niemals brauchte das reiche undseegewaltige Inselreich einenkontinentalen Gegner allein an-zunehmen. Es konnte unter demhalben Dutzend europäischerGrossmächte den Feind seinerFeinde auswählen.

Friedens, die grösser sind als dieDrohungen des Krieges.

England erkannte zum erstenMale in den Jahren 1914-1916,dass europäische Helfer und dasEmpire zum Siege nicht ausreich-ten. Erst ging Japan , dann gin-gen die Vereinigten Staaten insFeuer. Es war Englands letztergrosser Sieg, obschon bereits Wil-sons Flottenprogramm an denbritischen Nerven zerrte. Wich-

tig war die Erledigung des deut­ schen Konkurrenten auf demWeltmarkt und zur See; vielwichtiger war die Liquidierungdes politischen WettbewerbersRussland . Russlands Zerfallschien kurzsichtigen Politikerndie Zerstückelung der Donaumo-narchie, eines alten Verbündeten,auszugleichen. Am Indus und inNordchina hielt Japan über denenglischen Interessen Wache. DieVereinigten Staaten zogen sichIn die westliche Hemisphäre zu-rück. Die Schwächung Europas schien England nicht zu berüh-

ren.

Nur Toren werden diese Poli-tik tadeln wollen.Die grosseSeemacht konnte gar nicht an-ders handeln. Diese Zwangsläu-figkeit verkannt zu haben, warWenn heute denkende Englän-der schwere Fehler der deutschen der die Weltlage, kühl und offen,Staatsmänner in den Jahren, die betrachten, so kann sich auch derdem ersten Weltkrieg vorangin- Optimistischste schwerer Gedan-gen. Briand hat im Jahre 1916 ken nicht erwehren. Es ist rich-der Verwunderung Ausdruck ge- tig, dass die grösste See- undgeben, dass Deutschland die Tor- Luftmacht der Erde, die Ver-heit des Krieges begangen habe. einigten Staaten, hinter der äus-Ohne Krieg, meinte er, hätte es seren Existenz Englands steht.in 20 Jahren friedlich die Welt Aber ein starker Freund ist star-erobert. Es gibt Gefahren des ke Abhängigkeit. Wenn England

Frankreich im Krimkrieg und imersten Weltkrieg verwandte, sobestanden zwischen den beidenLändern gewisse fundamentaleeuropäische Interessen. EineMehrzahl intakter Grossmächtebot damals Auswechselbarkeitund die Möglichkeit von hilfrei-chen Neukombinationen. Allesdas hat die Zermalmung Europas zu Ende gebracht. Noch hat Eng-land den mächtigen Rückhalteines anderen Kontinents; aberes ist eine andere Hemisphäremit anderen Absichten und Zie-len, und es ist unausbleiblich,dass die zwangsweise politischeMonogamie, die mit der neuenWeltlage verbunden ist, Opferverlangt, Freiheit und Selbstän-digkeit einengt. Bei weiser Nach-giebigkeit wird es eine glücklicheEhe sein.

Es ist begreiflich, dass Er-kenntnisse dieser Art langsamdämmern und dass die Versucheeiner Korrektur unsicher und ta-stend sind. Von arglosen Mar-schällen ist keine tiefere Einsichtund keine Aenderung zu erwar-ten. Die britischen Staatsmän-ner aber, gegenwärtige und zu-künftige, werden Europa alsVoraussetzung britischer Unab-hängigkeit entdecken, ehe dasneue serbische Pulverfass platzt,ehe Norditalien die Brücke nachSpanien bildet und die Kontinen-talsperre, politisch wie wirt-schaftlich, fertig ist. Um Triest stehen ein Dutzend Divisionen,ausgerüstet mit Lend- Lease- Ma-terial, den Westmächten gegen-über. Will England das Dynamiteines chaotisch zerrütteten Euro­ pas als Lend- Lease dazugeben,oder hat das Land, das Pitt undPalmerston erzeugte, ein europä-isches, ein englisches Programni?

ser

Heime ein, schaffte andere Ein-richtungen, zentral und lokal. Inden Ortsgruppen war ein regesLeben. Nähstuben, Kochkurse,theoretische Kurse, Erholungsein-richtungen für Kinder und fürMütter wurden betrieben. In derTat löste das Vorhandensein die-Organisation viele Kräfteaus. Aus den nicht richtig in derOrganisation beschäftigten( be--sonders Frauen) wurden begei-sterte Helfer, die den Sinn derOrganisation( auch der Arbeiter-dadurchbewegung)erfassten,dass sie ein Tätigkeitsgebiet ge-funden hatten. Wir haben die Ge-setzgebung stark beeinflusst. DasJugendwohlfahrtsgesetz, die Für-sorgepflichtverordnung, das Ge-zur Bekämpfung der Ge-Aus-schlechtskrankheiten, dieführungsgesetze in den meistenLändern zeugten davon. Wenn inder Republik ein modernes Ju-gendwohlfahrtgesetz geschaffenwurde, wennpflege in eine moderne Wohl-fahrtspflege verwandelt wurde,wenn mit einem Wust von altenVorurteilen aufgeräumt wurde,dann hat die Arbeiter- Wohlfahrt,ihr Freund und Förderer einenstarken Anteil daran.

setz

die alte Armen-

Und heute steht die Arbeiter-Wohlfahrt in Deutschland wieder.da! Damals entstand sie ziemlichplötzlich von oben nach unten.Heute wächst sie organisch vonunten nach oben. In beiden Fäl-len folgte sie der äusseren undinneren Notwendigkeilt.

unsere

Und wir hier in diesem Landefolgen der Treue fürFreunde und Genossen drüben.Für uns ist es selbstverständlichePflicht, unser Teil aus dem Ueber-fluss des Landes, in dem wir Gast-freundschaft geniessen, zu geben.Wir wollen es geben aus eigenenMitteln, soweit das nur möglichist. Aber auch mit der Hilfe de-rer, die uns verstehen und diedeshalb mit uns geben wollen, da-mit ein modernes Deutschland der Demokratie und des Sozialis-mus werden kann und der Friededer Welt auch von diesem Punkther gefördert wird!

Beiträge, Zusendungen, Spen-

3

den, Schecks usw. werden an dieAdresse:" Arbeiter WohlfahrtNew York , P. O. Box 50, StationK., New York 28, N. Y." erbeten.

Indien :

Hunger, Aufstand

In der halben Welt herrschtheute Hunger, und es werden ver-schiedene Anstrengungen ge-macht, ihn zu bekämpfen. AuchIndien gehört zu den Ländern,in denen gehungert wird, heutewieder wie schon so oft, Jawahar­ lal Nehru hat sich zu dieser Lagegeäussert und erklärt, dass dasindische Volk den Hunger nichtdulden werde. Wenn das Problemso einfach zu lösen wäre, müsstenbald alle Menschen der Erde sattwerden, denn niemand würde denHunger dulden.

Die Nehrusche Intoleranz siehtso aus, dass das Volk sich gegendie Regierung erheben soll. Aufdiese Weise würde es wahrschein-lich einige Hungernde wenigergeben, aber der Hunger selber be-stünde weiter. Denn auch Eng-land hungert heute.

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