NEUE VOLKSZEITUNG Lebensmittel verderben
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" NEUE VOLKSZEITUNG"
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Dass in Europa Millionen Menschen vorder Gefahr des Hungertodes stehen, ist all-gemein bekannt. Weniger bekannt ist, dasstrotz dieses Zustands gewaltige Massen vonLebensmitteln einfach verfaulen, weil es aneiner Organisation fehlt, die sie annimmt undweitergibt. Es handelt sich um Dänemark .In der dänischen Presse werden jetzt dar-über abenteuerliche Dinge erzählt.
Danach hat Dänemark Fische im Wert vonmehr als zwei Millionen Dollar und Fleischvon zehntausend Pferden zur Verfügung ge-stellt. Es hat sich auch bereit erklärt, miteigenen Waggons die Lebensmittel bis nachSüddeutschland zu transportieren. Der Planscheiterte aber an dem Umstand, dass keineStelle zu finden war, die bereit gewesenwäre, jene Vorräte, sei es auch gratis, anzu-nehmen.
Während nach einer solchen Stelle gesuchtwurde, verfaulten die Fische, so dass sie nurnoch zu Dünger zu verwenden waren. Was
Verteidigung oder Propaganda? aus dem Pferdefleisch geworden ist, wissen
wir nicht; das sich auszumalen, müssen wirder Phantasie der Leser überlassen. DerWert der gesamten Lebensmittel, die bei die-ser steckengebliebenen Hilfsaktion zugrundegegangen sind, wird in der dänischen Presseauf vier Millionen Dollar geschätzt.
Eine bescheidene Bemerkung sei dazu ge-stattet: Gäbe es in Deutschland statt einerrussisch amerikanisch- englisch- französi-schen Militärregierung eine deutsche Zivil-regierung, so wären die Fische und dasFleisch höchstwahrscheinlich sehr schnellnach Deutschland importiert und frisch ge-gessen worden.
Der Chef der amerikanischen Staatsan-waltschaft bei Nürnberger Prozess, Bundes-richter Robert Jackson , hat beim Gerichtgegen den groben Unfug protestiert, den sichdie Verteidigung der Angeklagten erlaubt.Niemand wünscht, dass es der Verteidigungunmöglich gemacht wird, ihre Klienten zuvertreten, aber da diese Angeklagten ganzbestimmter Verbrechen beschuldigt werdenund die Anklagevertreter ihre Anklage mitTausenden von Dokumenten belegt haben, sowäre es die Aufgabe der Verteidigung, ent-weder die Dokumente und die sonstigen Be-weise zu widerlegen, wenn sie das kann, oderdie Verteidigung auf den persönlichen An-teil der einzelnen Angeklagten abzustellen.Statt dessen bringt die Verteidigung ganzePropagandabroschüren an, die sie als" Doku-mente" dem Gericht vorlegt und die auf Ko-sten des Gerichts in vier Sprachen übersetzt bange Sorge so manches suchenden Vaters,und vervielfältigt werden. Robert Jackson hat mit Recht erklärt, er wehre sich dage-gen, dass das Gericht die antisemitischenHetzschriften, die z. B. der Verteidiger Al-fred Rosenbergs als" Beweismaterial" vor-gelegt hat, in Druck gibt und sich so zu einerPresseagentur für Nazi- Propaganda herab-würdigt. Das Gericht beschloss, in Zukunftalle solche von der Verteidigung vorgelegten" Dokumente" erst zu prüfen, ehe sie über-setzt und gedruckt werden.
Sie werden schon wieder frech
Nach der überaus gut besuchten Ver-sammlung, die die Ortsgruppe Chicago des" German American Congress for Demo-cracy" mit Gerhart H. Seger als Redner am8. März abgehalten hatte, erhielt die" Frei-sinnige Gemeinde" in Chicago einen endlo-sen, in den unflätigsten Beschimpfungen sichergehenden Brief eines Herrn Rudolf Vieh-weg. Der Mann tobt sich in einem wahrenParoxysmus des Hasses aus:" Seger ist einHaderlump ersten Ranges"," eine der elende-sten Kreaturen, die sich hier auf unseremPlaneten bewegen";" ein grösseres Scheusalin Menschengestalt habe ich noch nie gese-hen, wie meinen Landsmann Seger", und sogeht das weiter. Dieser Brief, auf den zuantworten sich natürlich nicht lohnt, dennwer schimpft, hat Unrecht, würde hier nichteinmal erwähnt werden, wenn nicht der Na-me Viehweg woanders aufgetaucht wäre.
Eines der vom Emil Leicht- Verlag der" National Weeklies" in Winona , Minnesota ,herausgegebenen Wochenblätter, der" Amer-ica Herold", enthält in seiner Ausgabe vom3. April 1946 einen gross aufgemachten Ar-tikel unter der Ueberschrift" Schweigt
doch!" von demselben Herrn Rudolf Vieh-weg, in dem er sich in ähnlichen Beschimp-fungen, wenn auch aus Gründen vorsichtigerTapferkeit nicht ganz so krass, gegen zahl-reiche Politiker der Vereinigten Staaten aus-tobt.
Die Nazis werden schon wieder frech.Während des Krieges mussten sie sich stillverhalten, wenn sie nicht interniert werdenwollten, aber nachdem der Krieg vorbei ist,kommen sie aus ihren Schlupfwinkeln wie-der hervor. Hoffentlich finden sich im Mit-
telwesten einige aufrechte, demokratisch ge-
sinnte Deutschamerikaner, die dem Verlagdieser Zeitung klar machen, dass die Zeitender Nazi- Propaganda vorbei sind!
Der erste Schritt
Viele Offiziere und Beamte der Okkupa-tionsbehörden in den drei westlichen Besat-zungszonen Deutschlands haben gelernt, sichauf erprobte Sozialdemokraten zu verlassen,wenn es sich um die Beurteilung politischerVorgänge, Tendenzen und Massnahmen han-delt. Aber in der abgelaufenen Woche wurdebekannt, dass der erste Schritt für eine wirk-lich repräsentative Verbindung zwischen Sie-gern und Besiegten getan wird: der leitendeFunktionär der deutschen Sozialdemokratiein den drei westlichen Zonen, Dr. Kurt Schuh-macher, ist vom englischen PremierministerClement Attlee nach London eingeladen wor-den, um die Situation in Deutschland zu be-sprechen. Der Führer der grössten Arbeiter-partei des Siegerlandes und der Führer dergrössten Arbeiterpartei des besiegten Landeskommen zusammen, beide internationale So-zialisten, beide Bürger ihres Landes imbesten Sinne des Wortes, und wollen ver-suchen, einen Weg der Zusammenarbeit imInteresse eines vernünftigen Friedens zufinden.
Es liegt in der Natur der Sache, dass dieseerste Unterredung nicht alle optimistischenErwartungen erfüllen kann; dazu sind dieProbleme zu zahlreich und zu schwierig.Aber die politische Bedeutung dieses erstenSchrittes kann garnicht hoch genug einge-schätzt werden. Wenn der englische Premier-minister den leitenden Beauftragten einerpolitischen Partei des besiegten Deutsch land zu sich einlädt, so ist das eine Geste desbeginnenden Friedens, mit dem sich Attleeselbst ebenso ehrt, wie sie ein schwer ver-dienter persönlicher Erfolg für unserenFreund Kurt Schumacher ist, der die Treueseiner politischen Ueberzeugung im Feuereiner zehnjährigen Konzentrationslagerhaftbewiesen hat. Unnötig zu sagen, dass ihn un-sere besten Wünsche begleiten!
Wie' ordentlich'! Wie' human'!In bayerischen Zeitungen erzählt eineRote Kreuz- Schwester:
" Als Frau und Mutter habe ich mich in die
so mancher umherirrenden Mutter hinein-versetzen können. Kam da eine Mutter, eineSchlesierin, die ihre fünf Kinder auf derFlucht verloren hatte. Monatelang reiste sieumher, in der amerikanischen und englischenZone, fand auch ihre Kinder, alle fünf, aberalle an verschiedenen Orten.
Solche und ähnliche Fälle, die ich zu Hun-derten anführen könnte, bewogen uns, eineeigene" Kinderkartei" zu schaffen, die sowohldie gesuchten wie die suchenden Kinder un-ter 10 Jahren zusammenfasst. Nicht seltenerlebten wir Fälle, dass 10- und 12jährigeJungen wochenlang unterwegs waren, in al-len möglichen Lagern und Sammelstellennachfragten, um ihre Eltern zu finden.
" So haben wir bereits 5000Karten von Kin-dern, die ihre Eltern suchen und 3500 weite-ren Kindern, die von ihren Eltern gesuchtwerden. Schwer ist die Suche besondersdann, wenn die Namen der Kinder nicht be-kannt sind. So brachten die Amerikaner ausder Gegend von Marienbad vor kurzem 120Kinder sudetendeutscher Flüchtlinge, die sieauf Strassen und Bahnhöfen aufgelesen hat-ten. Sie waren sämtlich unter vier Jahrenund wussten nicht einmal mehr ihre Vor-namen."
Aus Frankfurt a. M. hört man folgendeseltsame Kunde:
Einer der schlimmsten politischen Fehler,den die amerikanische Presseverwaltung imOkkupationsgebiet begangen hat, ist die Ein-richtung der" Frankfurter Rundschau ", dereinzigen Zeitung für Frankfurt a. M. undUmgebung. Die vier Lizenz- Inhaber dieserZeitung sind sämtlich bedenkliche Gestalten.Drei sind Kommunisten, der vierte, ein ge-wisser Herr Gerst, versucht sich als Katholikauszugeben, ist aber in Wahrheit auch ein" Fellow Traveler". Im übrigen hat er aucheinen Haufen Nazi- Dreck am Stecken.
Die beiden bisher dort tätig gewesenen so-zialdemokratischen Redakteure haben nachlängeren inneren Auseinandersetzungen dortnistische Agitation des Redaktionsstabesihren Posten niedergelegt, da sie die kommu-nicht länger mit ihrem Namen decken wollen.
kappte Moskau - Publikation unter offizieller
Diese" Frankfurter Rundschau ", eine ver-
amerikanischer Lizenz, ist also nichts ande-res als eine anti- amerikanische Publikation.Das ganze ist eine schwere Schädigung desamerikanischen Prestiges. Es wird in Frank furt als ein schlimmer Skandal empfunden.In Frankfurt mag es vielleicht 5 Prozentdeutscher Kommunisten geben. Die anderen95 Prozent der Bevölkerung teilen die Hal-tung der Zeitung nicht. Sie können sich nichterklären, wie so etwas möglich ist.
Die Aufsichtsbehörden sind informiertworden. Bisher aber sind sie noch nicht inder erforderlichen Weise eingeschritten.Ueber diesen Unfug hat neulich sogar einelange Debatte in einer öffentlichen Sitzungdes Frankfurter Stadtrats stattgefunden.Offenbar hat die amerikanische Presse- Auf-sichtsbehörde jetzt nur noch Angst davor,ihre eigene Blamage einzugestehen und zu-geben zu müssen, dass sie sich von den Kom-munisten hat reinlegen lassen.
Es wird jetzt in der Tat höchste Zeit, dasssich die verantwortlichen Stellen in Wash ington einmal um diese Sache kümmern.Oder will man in Washington aus Dummheitnoch für die Sache Moskaus Propagandatreiben?
Internationale Harmonie
Die" Schweizerische Sänger- Zeitung" vom25. Februar d. J. brachte auf der viertenSeite die Mitteilung, Genosse Formanek- Praghabe im Namen des dortigen tschechischenBuchdrucker- Männerchors" Typographia"angefragt, ob der Chor am Schweizerischen Arbeiter- Sängerfest 1948 teilnehmen könnte.
Unabhängig davon findet man auf der er-sten Seite einen anderen Bericht. Er beschäf-tigt sich mit dem Schicksal des früherenPräsidenten der Internationale der Arbeiter-sänger, des Genossen Wondrejz. Dieserwohnt in Bodenbach . Was ist mit ihm?Er erwartet jetzt seine Ausweisung aus derTschechoslowakei .
Denn Wondrejz ist, trotz seines slawischklingenden Namens, ein sozialdemokrati-scher Sudetendeutscher.
NEUE VOLKSZEITUNG
Ein Fels im Meer
Sonnabend, den 13. April 1946
Berlins Sozialdemokratie bleibt den alten Idealen treu. Scharfe Resolu-tionen gegen die kommunistische Gleichschaltungs- Politik.
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Fechner und Liedtke ihrer Berliner Parteifunktionen enthobenProgramms wurde angenommen,das sich unter anderem für de-mokratische Schulreform, länd-liches Siedlungswesen, zweck-mässige Aufteilung des Gross-grundbesitzes, Sozialisierung derBanken und des Bauwesens aus-spricht.
Die politische Entwicklung im russisch- besetztenDeutschland und in Berlin nimmt seinen Fortgang in derzu erwartenden Weise. In allen Provinzgebieten dort übenjetzt die neuen deutschen kommunistischen Quislinge diehöchste und unumschränkte Macht aus. Sie sind damit be-fasst, gestützt auf die russischen Bajonette, die BefehleMoskaus in Bezug auf die Neu-Organisierung des politischen Le-bens in der deutschen Ostzonedurchzuführen
Die Moskauer Befehle laufenbekanntlich darauf hinaus, inDeutschland die" russische Demo-kratie", das heisst ein dem rus sischen ähnliches politisches Sy-stem einzurichten. Als Kernstückbei dieser Operation hat die biszum 1. Mai zu errichtende" Sozia listische Einheitspartei " zu die-nen. Dieses Fusionsgebilde, aufKommando von oben aus den jet-zigen Kommunistischen und So-zialdemokratischen Parteien derZone zusammengeschmolzen, wirdselbstverständlich in Zukunft un-ter kommunistischem Kommandostehen. Die dort vertretenen deut schen Kommunisten wiederumsind ebenso selbstverständlich nurBefehlsempfänger Moskaus .
Die neue" Einheitspartei" kannnaturgemäss nicht das sein, wasman im Westen unter einer freienpolitischen Partei versteht. Siewird vielmehr etwas ganz ande-res, sie wird eine von Moskau ge-lenkte" Staatspartei" werden. Imtotalen Staat ist bekanntlich dieFunktion der" Partei" derMonopolpartei wesensmässigvöllig verschieden von der inner-halb einer Demokratie. Dort istsie eines der Organe der Tyran-nei. Dort dient sie dem bestimm-ten Zweck, eme gewisse Massen-basis für die Diktatur abzugeben.Das, und nichts anders war auchdie Funktion der Nazipartei imHitlerreich( die Hitler ja aucherst dem Moskauer System abge-guckt hatte) und das ist die Funk-tion der kommunistischen Parteiin Russland noch heute.
In der Osthälfte Deutschlands wird sich also vermittels diesesSchemas die eiserne Fessel destotalen Staates bald wieder überdas gesamte öffentliche Leben le-gen. Die Anhänger der Demokra-tie, der Opposition, werden zumVerstummen gebracht. Sie habennicht einmal die Möglichkeitmehr, sich zu äussern. Wer nichtbereit ist, mitzumachen, kann nurnoch schweigen. Nach der West-hälfte Deutschlands zu emigrie-ähnlich wie nach 1933wird nur noch wenigen möglichsein. So vollzieht sich jetzt inDeutschland Osthälfte ein trüb-seliger Prozess, die Aufeinander-folge zweier Diktaturen. Der Sow-jetstern tritt an die Stelle desHakenkreuzes die eine Dikta-
ren
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tur und der eine totale Staat wirddurch eine ähnliche Diktatur undeinen ähnlichen totalen Staat ab-gelöst.
*
Anders in der Stadt Berlin . Inder Reichshauptstadt ist, dankder Besetzung auch durch diedrei Westmachte, zu drei Viertelnwenigstens, die Einführung einerderartigen Regelung durch dieSowjetgewalt nicht möglich. Ber lin ist eine Insel im Sowjetmeer.Dort ist daher, nach wie vor, dieMöglichkeit von demokratischenProzeduren im politischen Lebengegeben. In den amerikanisch-,britisch- und französisch- besetz-ten Zonen der Stadt Berlin kannsich die kommunistische Totalge-walt nicht ungehemmt entfalten.Dort können sich die Bürgerdurch ihre demokratischen Par-teien relativ frei äussern. Das ha-ben sie jetzt auch getan. Von die-sem Beispiel kann man auchRückschlüsse darauf ziehen, wiesich das deutsche Volk vermut-lich in der ganzen Ostzone äus-sern würde
wenn man ihmdort freie demokratische Mei-nungsäusserung gestatten würde.In Berlin ist am 7. April eineParteikonferenz der Sozialdemo-kratischen Vereinigung der StadtBerlin -nur dieser zusam-mengetreten. Achtzehn Bezirkevon den zwanzig waren vertreten;nur zwei Distrikte, die zur rus-
publik. Er führte aus, wie es umjene" Demokratie" bestellt sei,die man von den Führern derKommunistischen Partei zu er-warten hätte. Diese jetzt vonRussland zurückbeorderten deut schen Kommunisten hätten dochdie letzten zwölf Jahre in Moskau verbracht. Was sie dort getanhätten, sei nicht ganz klar. Abereines sei klar. Dass sie dort nichtdie geringste Möglichkeit gehabt,sich mit dem Studium demokrati-scher Staatseinrichtungenmit neuem demokratischén Den-ken zu befassen.
und
Nachdem sie jetzt wieder inDeutschland aufgetaucht seien,hofften sie, mit ihrer hemmungs-losen Demagogie nun die Volks-massen zu ihrer Diktatur- Anbe-tung hinüberreissen zu können.Aber die ersten freien Wahlen,wie sie jetzt in Hessen , in Bayern und auch in Oesterreich das fürsie katastrophale Ergebnis von3 bis 4 Prozent kommunistischerStimmen ergaben, hätten das ge-rade Gegenteil ihrer Theorie er-wiesen. So hätten sie sich jetztentschlossen, den Weg des Zwan-ges und der Gewalt zu gehen.
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Aber die Berliner Sozialdemo-kratie werde nun einmal nichtdurch diese Gestalten repräsen-tiert und auch nicht durch jenewenigen SozialdemokratischenFührer, die sich jetzt in derenSchlepptau hätten nehmen lassenund mit ihnen gemeinsame Sachemachten. Die Berliner Soialdemo-kratie werde vielmehr ausschliess-durch diese ordnungsgemäss ge-wählte Delegierten- Versammlungrepräsentiert, die jetzt autonomihre Beschlüsse zu fassen habe.
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Wie die Berliner Sozialdemo-kratie nun wirklich politischdenkt, und was sie von den mitden Kommunisten jetzt gemein-same
von
Sache machenden Grote-wohl und Konsorten hältdenen übrigens keiner in derVersammlung erschienen warerweisen ihre dann mit überwäl-tigender Mehrheit, 464 gegen 1,gefassten Beschlüsse. Sie lauten:
Erstens: Neuwahl des drei-köpfigen Vorstands der S.P.D.der Stadt Berlin . Gewählt wur-den: Dr. Franz Neumann , zurZeit Bezirks- Bürgermeister vonReinickendorf , Karl Germer ( derkürzlich als Fusions- Gegner vonder Grotewohl - Gruppe aus demZentral Vorstand rechtswidrigausgeschlossen war) und KurtSwolinsky.
Zweitens: Die drei Parteimit-glieder Otto Grotewohl , Max Fechner und Karl Liedke werdenall ihrer Berliner Partei- Aemterenthoben.( Dies sind die dreiHaupttreiber der" Fusion" im so-genannten" Zentralkomitee " derS.P.D., das bekanntlich bishernicht etwa von der Mitglied-schaft gewählt ist, sondern sichselbst konstituiert hat. Es ist da-her nicht zu erwarten, dass diesedrei dort zurücktreten werden.Man darf vielmehr annehmen,dass sie, gestützt auf die rus-russische Okkupationsmacht undauf die Kommunisten, ihre" Fu-sions"-Pläne in der übrigen Ost-zone ausserhalb Berlins konse-quent fortführen werden.).
" Das
Drittens: Das alte Zentral-organ der Partei, der" Vorwärts",soll wieder zum Erscheinengebracht werden.( Das jetzigeangeblich" sozialdemokratische"Berliner Partei- OrganVolk" steht ausschliesslich unterder Kontrolle der Fusionisten undist pro- kommunistisch; die Stim-me der überwiegenden Mehrheitwird dort nicht zugelassen; eswird in der russischen Zone redi-giert und gedruckt.)
Viertens: Eine Reihe von Punk-ten eines grösseren politischen
Soweit diese bedeutungsvolleTagung der Berliner Sozialdemo-kratie. Sie legt ein weithin sicht-bares Zeugnis dafür ab, dass deralte Geist der deutschen Sozialde-mokratie dort, wo man der Demo-kratie eine Lebenschance gibt,stark und ungebrochen gebliebenist.
Aber das politische SchicksalDeutschlands liegt heute nicht sosehr in den Händen des deutschen Volkes. Es liegt in erster Linie inden Händen der Besatzungs-mächte. Was man in dieser Be-ziehung von der Moskauer Dikta-tur zu erwarten hat, zeigt dasheutige Schicksal der Ostzone.Soll das so weitergehen?
Die einzigen Hoffnungen fürein künftiges demokratischesDeutschland sind auf einen künf-tigen Wandel der Politik Eng-lands undDenn
von Frankreich , selbstschwer gelähmt, uneinig undschwach, das heute kurzsichtigund hypnotisiert auf nichts ande-res als auf die Abtrennung vonRhein und Ruhr zu blicken ver-mag, ist für die nächste Zeitkaum eine positive Aktion zu er-warten.
Wenn aber England und Ame rika sich nicht bald zu einerenergischeren, konstruktiverenund intelligenteren Deutschland-Politik aufraffen, so sieht es umdie Zukunft Mittel- Europas trübe
aus.
Die Deklaration von Potsdam besagt im Artikel III, dass dasbesetzte Deutschland so verwaltetwerden solle, dass durch die Ok-kupation seine Rückwandlung ineinen friedlichen und demokrati-schen Staat möglich werde; dassdie deutsche Bevölkerung nacheinheitlichen Prinzipien behandeltwerden, dass bis zum Wiederer-stehen einer deutschen Regierungder Interalliierte Kontrollrat insämtlichen Zonen einheitlich undnach gemeinschaftlichen Grund-sätzen die Regierungskontrolleausüben solle. Das alles ist bis-her zum grössten Teil unerfülltgeblieben.
England und Amerika hättenim eigenen Interesse alle Ur-sache, darauf zu bestehen, dassdiese Bestimmungen auch An-wendung finden. Geschieht dasnicht, so muss der Prozess desAbsinkens und des Verrotten- Las-Deutschlands seinen
sens
ver-
hängnisvollen Fortgang nehmen.Von einem verrotteten Deutsch land aus werden sich im Laufeder Zeit, wie unschwer vorauszu-sehen, Infektionskeime über ganzEuropa verbreiten. Videant con-sules
Der geplatzte KofferAus Frankreich kommt eineinteressante Mitteilung, die viel-leicht einen Schlüssel dafür lie-fert, woher die kommunistischen Parteien der Welt, ausserhalbder Einflussphäre der Sowjets,laufend ihre so reichlich vorhan-dene finanzielle Munition bezie-hen.
Man hat festgestellt, dass aufdem Flugplatz in Le Bourget beiParis seit einiger Zeit ständigmit russischen Flugzeugen ausBerlin grössere Sendungen vonGold und ausländischen Bankno-ten eintreffen, von russischenEmissären gebracht. Die betref-fenden russischen Beamten rei-sen auf Diplomaten- Pässen, ge-niessen also für sich und für ihrgesamtes Gepäck das Privileg derFreiheit vor Zollkontrollen. Nurdurch Zufall als einer der Be-
1
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hälter platzte wurde festge-stellt, dass er Gold und Bankno-ten enthielt.
Wie die französische Regie-rung verlauten lässt, ist es aus-geschlossen, dass diese. Beträgeetwa zu regulären Zahlungen anfranzösische Gläubiger bestimmtsein könnten. Denn solche Han-
sischen Stadtzone gehörigen Be- Progressive Publish- delsschulden existieren zur Zeitzirke Treptow und Köpenick blie- ing Association, Inc.
ben unvertreten. 465 Delegierterepräsentierten dort ihre über47.000 Parteimitglieder.
Die gefassten Beschlüsse warenklar, bedeutsam und, mutig.Denn die Delegierten wussten,welchen Folgen sie sich damitauch von Seiten der sie überallumbrandenden Moskauer Terror-
nicht.
Es bleibt daher nur die Erklä-rung, dass das Geld für kommu-
GENERAL- VERSAMMLUNG nistische Propagandazwecke ge-
am
welle aussetzten. Daher ist ihnen Das Erscheinen aller Mitglieder istihre kompromisslose Haltung in wichtig und dringend erwünscht.dieser denkwürdigen historischenSitzung umso höher anzurechnen.
b) Redaktion.
Das Hauptreferat hielt der alte 3. Berichte: a) Geschäftsführung,Gewerkschaftler 4. Komitee- Berichte.verdienstvolle5. Unerledigte Geschäfte.7. Zum Wohl und Besten.6. Neue Geschäfte.
Rudolf Wissel, heute 76 Jahre alt,früher der langjährige Reichs-arbeitsminister der Weimarer Re-
Der Sekretär.
1. MAI ANZEIGEN
von Organisationen müssen bisspätestens Dienstag, 23. April,
in unserem Besitz sein!
braucht wird, in Frankreich undanderswo. In Frankreich findenbekanntlich binnen kurzem neueKammerwahlen statt. Dies alleinkann das neue Rollen des Gold-rubels erklären
Die kommende SpiraleDie Zauberformel, mit der denWirtschaftskämpfen in den Ver einigten Staaten ein Ende berei-tet werden soll, ist nun vom Prä-[ sidenten Truman und seinen Hilfs-magiern fertiggestellt worden.Sie sieht nach dem, was bisherdarüber bekannt gegeben wurde,genau so aus, wie man erwartethatte.
Man gewährt die Lohnerhöhun-gen und erlaubt das entsprechen-de Ansteigen der Preise. Wird dieTonne Stahl um fünf Dollarsteurer, so dürfte diese Erhöhung,wenn sie die Reihe der Stahlpro-dukte durchlaufen hat, bei einer
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Vorbesprechung der" Grossen Vier" über dieFriedensverträge mit den" Kleinen" beginnt am25. April in Paris .
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Grausame Behandlung imamerikanischen Militär-Gefängnis in Lichfield ,England, hat gerichtlichesNachspiel.
Von MICHAEL KUEHL Am 25. April beginnt einewichtige Konferenz der Aussen-minister der" Grossen Vier" inParis .
Teilnehmer werden dieAussenminister Byrnes, Bevin,Molotoff und Bidault sein. DieAussprache will, wenn möglich,eine gewisse Einigkeit unter den" Grossen Vier" in Bezug auf dieFriedens- Konferenz erreichen, dienach früheren Abmachungen am1. Mai in Paris beginnen sollte.Ob diese sechs Tage darauf auchwirklich zusammentreten wird,steht aber noch nicht fest.
Es handelt sich lediglich umdie Friedensverträge der Siegermit den" Kleinen Nationen", alsoI noch nicht um Deutschland . Ge-genstand der Verhandlungen wer-den vielmehr nur die Problemebetreffend Italien , Rumänien ,Bulgarien , Ungarn und Finnland sein.
Die Hauptschwierigkeitenin allen Fällen entstehen aus denweitgehenden Forderungen Russ lands . Bekanntlich ist daranschon die erste derartige Aus-senminister- Konferenz im Okto-ber vorigen Jahres in London ge-scheitert.
Ein Teil der Schwierigkeitenist inzwischen durch Nachgeben Washingtons und Londons bereinigt. So haben die West-mächte inzwischen die RegierungGroza in Rumänien anerkannt;Frankreich wird nuran demFriedensschluss mit Italien teil-nehmen, nicht aber an dem mitden anderen kleinen Nationen;China ist als Teilnehmerrussischem Widerspruchausgeschlossen worden.
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aufganz
Aber ob sich in Paris trotzdemeine völlige oder auch nur teil-weise Einigung wird erzielenlassen, ist sehr fraglich. Russ land verlangt das ausschliesslicheMandat über Tripolitanien . Eshat sich faktisch, schon vor denVerhandlungen, die gesamteMacht über Rumänien , Bulgarien und Ungarn angeeignet und dortweitgehende entsprechende Mass-nahmen unter seiner Besetzungdurchgeführt.
Gleichzeitig hat die französi sche Regierung bekanntgegeben,dass sie in der Minister- Konfe-renz auch das Saar-, Rhein - undRuhr- Thema anzuschneiden ge-denkt. Hier wird die Frage derin der Potsdamer Deklarationvorgesehenen zentralen Deutsch land - Regierung aufkommen.Frankreich , das die Potsdamer Protokolle nicht mitunterzeichnethat, sträubt sich bekanntlich da-gegen. Es will unbedingt dasRhein -, Ruhr- und Saargebietvon der vereinbarten Deutschen Zentralverwaltung ausgeschlos-sen wissen, während Washington ,London und Moskau wiederummit einer derartigen glatten Ab-trennung nicht ohne weitereseinverstanden zu sein scheinen.So wird es in Paris eine Füllegrosser Meinungsverschiedenhei-ten geben.
Vor einem amerikanischen Kriegsgericht in London findenzur Zeit eine Reihe von Strafpro-zessen gegen amerikanische Offiziere und Mannschaften statt.Gegenstand dieses Prozesses sindangebliche Grausamkeiten, diesich diese amerikanischen Mili-tärpersonen gegen amerikanische Untersuchungs- und Strafgefan-gene im amerikanischen Haft-Lager von Lichfield in Englandhaben zuschulden kommen lassen.
In einer der letzten Ausgabender" Newsweek" hat einer derVerletzten über die grausige Be-handlung der amerikanischen Häftlinge eine erschütterndeDarstellung gegeben. Die Häft-linge wurden geschlagen, gemar-tert, gequält, geschunden und ineiner Weise misshandelt, die al-lem menschlichen Empfindenebenso wie den amerikanischen Vorschriften Hohn spricht. VieleOpfer sind an den Verletzungengestorben. Der Einsender be-merkt, dass die Wachmannschafder Gestapo in den deutschen Konzentrationslagern durchausgleichwertig gewesen sei.
voneine
Was vor der Oeffentlichkeitbesonders unliebsam auffällt, istdie Tatsache, dass hier offenbaroberen Militärkreisen herArt Vertuschungs- Politikbetrieben wird. Die amerikani sche Oeffentlichkeit hat den Ein-druck gewonnen, dass die ver-antwortlichen Offiziere, besondersdie oberen, irgendwie gedecktwerden sollen. Das hat bereitszu lauten Protesten in der ame rikanischen Presse geführt. Manwird den Gang des Verfahrensabwarten müssen.
Stahlfeder etwa schon eine Preis- Adresse geändert?
steigerung von 30 Prozent aus-
P. O. Box 50, Sta. K
Die alte Spirale kommt inGang, die Lebenshaltung wirdteurer, und neue Lohnforderun-gen und Streiks folgen.
Vergessen Sie nicht, ans mitder neuen AUCH DIE ALTEAdresse anzugeben. Sonst er.leidet die Zustellung IhrerZeitung unnötige Verzögerung!