Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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tun

ren Aufträge von Böhnisch und Eschner die materielle Hilfe gebracht, umin Zukunft in schuldenfreier Selbständigkeit weiterleben zu können. Aberdas bedeutete xxxxgleichzeitig: zuerst einmal investieren, Holz und ande-res Material kaufen, vielleicht sogar noch weitere Gesellen verpflichten.Also Schulden machen. Es war nicht leicht für Vater Gohlke, einen schnel-len Entschluss zu fassen. Aber er musste handeln.ImGlauben, das Richtige zusagte er die Aufträge bei Böhnisch undEschner ab, kündigte um sich finanziell zu entlasten- den beiden Ge-sellen, und kümmerte sich um seine krank im Bett liegende Frau, um sei-baldnen xxxx@ tta fünfjährigen Sohn Otto, um die anderthalbjährige zarte Min-na, mit deren Augen etwas nicht in Ordnung war, und um den NeuankömmlingFranz. Eine Nachbarin ging ihm gelegentlich zur Hand, sodass er nebenbeikleinere Reparaturen ausführen konnte. Mit diesen geringen Nebeneinnahmenkonnte er unmöglich eine fünfköpfige Familie über Wasser halten. So,halbenschrumpfte das Holzlager im Schuppen zusammen, das er im Laufe eines-res mit Verlust verkaufte. Eine weitere finanzielle Hilfe versprach er sichdavon, dass er die kleine Kammer der Dachwohnung an einen Schlafburschenvermietete, an einen Schuhmacher, der morgens aus dem Hause ging undabends zurückkam, der also keine Arbeit machte.

Nach einigen Monaten hatte sich Mutter Gohlke wieder so gut erholt, dasssie mit gewohnter Rüstigkeit und Gründlichkeit ihrer Hausarbeit nachgehenkonnte.@ ttaxhяkfxxx@ xxxxx@******* xxxxx Während Otto mit seinen 5 Jahrenschon ein kräftiger Junge war, stand es nicht gut um Minna und Franz. Min-nas Körper wurde trotz Mutters aufopfernder Pflege immer schwächer, mit denAugen wurde es von Tag zu Tag schlechter, und Franz machte seinen Elternnoch grössere Sorgen.

In dieser Zeit traf Vater. Gohlke wieder einmal auf Bürgermeister Anker,dem er ungeschminkt von seinem familiären und beruflichen Kummer erzähl-te. Anker schätzte den Bauunternehmer und Zimmerer Gohlke als soliden undgewissenhaften Handwerker. Er empfahl Vater Gohlke an eine Baufirma, diein der Landsberger Friedrichstadt , direkt an der Hauptstrasse, ein drei-stöckiges Haus aufführte, für das Vater Gohlke alle Holzarbeiten in Auf-trag bekam, einschliesslich Balkenlegung und Dachverband. Die Baufirma be-vorschusste auch den Ankauf des Materials, sodass er kein Darlehen aufzu-nehmen brauchte.

So erfreulich es jetzt auch beruflich weiterging, um so trauriger warendie Verhältnisse zu Hause. Der Arzt hatte festgestellt, dass die kleineMinna nicht nur körperlich geschwächt, sondern auch unheilbar augenkrankUndwar. Es müsste ein Wunder geschehen, um Franz durchzubringen.