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Ein Mann, zwei Kinder- und die Politik
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Die grossgewordene Kreisstadt Landsberg fand in diesen Jahren vorder Jahrhundertwende mehr und mehr Anschluss nicht nur an die inner-politische Entwicklung in Deutschland , sondern nahm xxx durch dierühriger werdenden Bemühungen der Gewerkschaften und Sozialdemokra-ten mehr Anteil an der" grossen" Politik.
Otto hatte in dieser Zeit viele Gespräche mit seiner Schwester Marie.Immer, wenn sich Gelegenheit bot, wurden die neuesten Ereignisse be-sprochen und diskutiert.
Angefangen hatte es mit dem Bürgermeisterwechsel. Warum Anker abge-löst wurde und durch wen, wurde schon nicht mehr richtig zur Kenntnisgenommen.- Der Reichskanzler, Fürst Otto von Bismarck , war durch denneuen Kaiser Wilhelm II. endgültig in die Wüste geschickt worden, wasvon den Sozialdemokraten auf ihr Konto gebucht wurde. Marie benutzteihre wenige Freizeit, um mit Bewusstsein nachzuholen, was sich inden vergangenen letzten Jahren ereignet hatte. Jetzt verstand sie denKampf der Sozialisten gegen Krieg und Aufrüstung, der- als sie ge-rade Zehn Jahre alt war- im Jahre 1889 auf dem ersten sozialdemokra-tischen Friedenskongress während der Bariser Weltausstellung schon****** international vernehmbar* x* xияк geworden war.
" Aber das nützt alles nichts, Otto. Du siehst: der Kaiser rüstet auf,hält grosse Reden, mit denen der die Arbeiter gewinnen will, und amnächsten Tag kann man in der Zeitung lesen, dass er mit Waffengewaltvorgehen wir, wenn die Sozialdemokraten nicht endlich aufhören, dasVolk" aufzuwiegeln', wie er es nennt."
" Das wird noch schlimmer, jetzt, nachdem Bismarck tot ist. Ich binkein Bismarck- Anhänger, beileibe nicht, aber nun glaubt der Wilhelm,tun und lassen zu können, was ihm beliebt."
" Bei der Friedenskonferenz, die der Zar( Nikolaus II.) nach Den Haageinberufen hat, ist auch nichts herausgekommen."
" Im Gegenteil, Marie, Du siehst ja, was in Afrika los ist. Da kämpfendie Engländer gegen die Buren, und dann der griechisch- türkische Krieg,und der Kampf der Japaner gegen China ! Bald wird es noch mehr Kriegs-schauplätze geben."
Die Weltgeschichte ging weiter, das Jahrhundert war bald zu Ende, unddas neue fand in seiner Wiege schon einige Geschenke" zum Segen derMenschheit": das Radium der Madame Curie , Marconis drahtlose Telegra-phie, das Luftschiff des Grafen Zeppelin, das über den Bodensee schweb-