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Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts trat der Klassenkampf zwischenBourgeoisie und Proletariat nicht nur in Deutschland , sondern in al-len Ländern Europas in den Vordergrund der geschichtlichen Ereignis-se. Überall- und jetzt nicht nur in der Großstädten, sondern auchin der Provinz, die genau so von der Industrialierung und damit vonder" Verproletarisierung" erfasst worden war- wuchsen die Probleme.
Auch in Landsberg , das verhältnismässig spät den Anschluss an die Er-eignisse der Zeit gefunden hatte, waren Gewerkschaften und Sozialde-mokraten aktiv geworden, um die Bevölkerung mit den Ursachen dieserEntwicklung und mit den Möglichkeiten der Besserstellung der Arbei-terschaft vertraut zu machen.
Als Marie Juchacz zum Ende des Jahres 1905 sich mehr und mehr mitdem Gedanken vertraut machte, so bald als möglich Landsberg zu ver-lassen, überdachte sie noch einmal die menschliche Problematik derLage, in der sich alle Mitglieder der Familie Gohlke befanden. Sieselbst hatte eine zwei Jahre alte Tochter und einen Sohn mit sechsMonaten, einen Mann, der sich kaum noch um seine Famibie kümmerte,und eine Nähmaschine, mit der sie das Geld zum Lebensunterhalt ver-diente. Ausserdem musste sie sich noch um die Eltern und um ihre17 Jahre alte Schwester Elisabeth kümmern.
Bruder Otto hatte seine eigenen Sorgen, war inzwischen von Küstrin aus nach Berlin gegangen, wo er zum Erhalt seiner inzwischen aufsieben Köpfe angewachsenen Familie sehr schwer arbeiten musste. Nachdem Tode des Erstgeborenen hatte er noch drei Söhne und zwei Töchterbekommen.
Marie schrieb in dieser Zeit manchen Brief an ihren Bruder, tysie sind leider verloren gegangen. In einem teilte sie mit, dass siesich von ihrem Manne Bernhard getrennt habe, dass sie mit ihren Kin-dern Lotte und Paul jetzt alleine wohne und Elisabethмын
zu sich genommen habe.
Die Antworten von Otto an seine Schwester nach Landsberg waren im-mer sehr aufschlussreich für Marie. Hier erfuhr sie aus guter Quel-le Neuigkeiten aus allen Gebieten: dass es schon eine ganze Reihevon Kinematographentheatern gibt, in denen dramatische, humori-stische und belehrende Films" gezeigt werden, dass die Gewerkeehefschaftsbewegung ständig ansteig und sogar Unterstützungen gezahltwerden, dass es sogar schon einige Säuglingsfürsorge- und Mütter-beratungsstellen gibt, dass die jährlichen Aufwendungen der öf-fentlichen Armenpflege in diesem Jahre( 1905) wahrscheinlich 140Millionen Mark betragen, dass die Lohnkämpfe an Stärke und Um-
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