Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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sich auf Sportplätzen( das war nicht das Schlechteste) oder in denKinds zu vergnügen. Bis 1910 wuchs die Zahl der Kinematographenthe-ater in Berlin bis auf 260 an.

Im Hause von Marie Juchacz und Elisabeth Roehl gab es einmal mitden erwachsener gewordenen Kindern eine Debatte über das Thema" Er-ziehung" im allgemeinen und" Erziehung des Arbeiters" im besonderenDamals versuchten die Mütter Marie und Elisabeth, die Problematikdie sich immer bei der Erziehung von Erwachsenen ergibt- verständ-lich zu machen, indem sie erklärten, dass die Erziehung des Arbei-ters in Bezug auf Bildung und Kultur ähnlich sei wie die Erziehungeines Kindes, dem man schon in frühester Jugend beibringe, dass mannicht mit den Fingern, sondern mit Messer, Gabel und Löffel isst.Der Arbeiter dxx aus der Zeit der Jahrhundertwende sei in Bezug aufBildung und Kultur" im Kindesalter" gewesen und hätte deshalb mitall dem, was Bildung und Kultur" als Werkzeug"- wie Messer, Gabelund Lööfel- bedeuten, erst vertraut gemacht werden müssen.

Nur so kann man verstehen, mit welcher Intensität sich Marie Juchacz auch dieser Aufgabe widmete.

" Bei allen kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen waren aufder Rückseite des Programms die Regeln zu lesen, in denen der Kon-zert- oder Theaterbesucher um richtiges Verhalten gebeten wurde undfreundliche Anweisungen erhielt. Ich weiss, dass ich einmal bei ei-nem grossen Konzert in einem Saal in der Hasenheide und mit dem be-rühmtesten Dirigenten der damaligen Zeit mit Freunden nicht nurüber die musikalische Leistung, sondern auch über das mustergültigeVerhalten des Publikums, das nur aus Arbeitern bestand,* x* x********** X* Xxx sprach, und man merkte mir wohl meine Begeisterung

an.

" 0,- Sie hätten vor einigen Jahren an den ersten Versuchen teil-nehmen sollen, dann könnten Sie erst richtig beurteilen, was füreine Entwicklung in dieser Beziehung vor sich gegangen ist."Nicht sehr viel später hätte sich mancher- sehr" gebildet"Theater- und Konzertbesucher des Bürgertums to daran ein Bei-spiel nehmen können, ganz abgesehen davon, dass der Arbeiter hingin,um einen Kulturgenuss zu haben, während xxxxxxk die Frau des hohendas Konzert besuchteBeamtenweil der einen Rang tiefer stehende, aber nichtweniger hohe Beamte derselben Behörde ja auch hinging.

Ob sich daran etwas geändert hat?"