Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

- 169-

" Im preussischen Landtag machten mich rheinische Parteifreunde sehrbald mit unserer Landtagsabgeordneten, Elisabeth Roehl , bekannt. Siebrachte mich ebenfalls sehr schnell zu ihrer Schwester Marie Juchacz in den Reichstgg. Nie habe ich vergessen, wie vorsorglich ich durchsie, als politischer Neuling, mit den Aufgaben unserer Partei und derAW vertraut gemacht mrde. Da mals sagte mir Marie:

' Es kann schon einmal vorkommen, dass einige unserer Frauen nicht denrichtigen Ton finden. Dann darf man das aber niemals anderen gegenüberkritisieren. Am besten ist es, das so bald als möglich zu vergessen.'Durch Marie Juchacz wurde ich auch des öfteren als Referentin zu Kur-sen der AW herangezogen, um über meine Aufgaben im Handelsministeriumzu sprechen und um die Schutzbestimmungen und ihre Vorschriften zu er-

läutern.

An einen Kursus, der in einem AW- Heim an der Ostsee nahe Travemünde stattfand, erinnere ich mich besonders gern. Damals musste ich nachdem Vorschlag von Marie Juchacz an mehreren Tagen sprechen. Als derKuraus beendet war und ich abreisen musste, begleiteten mich alle Kur-sus- Teilnehmerinnen zum Bahnhof und sangen mir auf dem Bahnsteig einLied. Ich empfand es als eine besondere Auszeichnung, dass Marie Juchacz mir ganz spontan einen Abschiedskuss gab.

Aus Amerika hat sie mich, die ich in der Ostzone bei unglaublicherArbeitslast schlimmen Hunger litt, sogar mit Paketen bedacht. MeineMutter ist damals an Unterernährung gestorben."