leider nur zu deutlich
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bewies, dass es in Deutschland ohne Fluss-
überschwemmungen und Orkane genug Not und Elend gab
" Nicht bloss für die unglücklichen Bewohner Szegedins, auch für die vonHungersnoth schwer betroffenen Bewohner des Spessart rufen wir das öf-fentliche Mitleid wach. Kein Brod, keine Kartoffeln, kein Salz im Hause,blutarm die Kinder, sieht der Hunger dem Volke zu den Augen heraus undin stummem Kummer starrt die Bevölkerung vor sich hin, entkräftet, muth-los, zu schwach schon fast zur Arbeit geworden. Dringende Hilfe ist nö-thig, die nothleidenden Gemeinden müssen unterstützt, über die nächstenWochen hinweggebracht, ihnen die Mittel verschafft werden, ihre Felderzu bestellen und sie vor Krankheit und völligem geistigem wie leiblichemVerderben zu retten."
silte
Das letzte Viertel dieses Jahrhunderts recte zwar einem technischenHöhepunkt entgegen, aber einem solchen Ereignis standen nicht nur diebisherigenbeacon Errungenschaften, sondern auch die ansonsten bis ins Detail" durchkonstruierten" Verwaltungsapparate machtlos gegenüber.
Es gab also trotz des technischen Fortschritts genug Jammer in dieserWelt. Vielleicht war das eine der Hauptursachen, warum sich die Mensch-heit ins Vergnügen stürzte. In Deutschland feierte nicht nur die Operet-Franz von Suppé , Johann Strauss , Millöcker und Zeller wurden die Notenblätter noch tintenfrischaus den Händen gerissen. Auch die leichtere Muse kantsich über Zulaufnicht beklagen. Miss Zenobia, eine Indianerin, trat heute Abend, am 15.März 1879, zum ersten Mal im Münchener Thalia- Theater in der Posse" DieStudenten von Rummelstadt" auf, um ihr Deutschland - Gastspiel anschliessendin Berlin fortzusetzen. Vielleicht sogar( verwegener Gedanke!) in Landsberg Die Berichte in den Zeitungen über derartige Veranstaltungen nahmen inletzter Zeit einen grösseren Raum ein als die politischen und wirtschaft-lichen Vorgänge in Deutschland . Es war manchmal kaum der Mühe wert, sichmit dem Inhalt der Zeitungen abzugeben. Trotzdem hatten in strasburg eini-ge Abgeordnete bei der Regierung durchgesetzt, dass alle in Deutschland erlaubten Zeitungen und Publikationen auch in Elsass- Lothringen verbrei-tet werden dürfen( sollten die Elsässer und Lothringer vielleicht dadurchbesseres Deutsch lernen?). Besser als jede Zeitung ist der menschlicheKontakt, dachte sich Bürgermeister Anker. Um ihn zu finden, müsste manReisen können. Zum Beispiel mit einem der neugründeten Bureaus für Ge-sellschaftsreisen.
te grosse Triumphe. Den Herren Composten
" Carl Stangens Reisebureau in der Markgrafenstrasse 43 in Berlin W berei-tet eine grosse Gesellschaftsfahrt nach Italien vor, über München , Vero na , Mailand , Genua , Rom , Neapel , Sorrent , Amalfi, Capri, Vesuv , Florenz ,Bologna , Venedig , Wien , Berlin Dauer: 42 Tage, Preis: 1250 Mark"( werkann sich das leisten? In Landsberg niemand!).
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